spree:geflüster

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Die Bernsteine

März 05, 2012 von Bunki Abgelegt in Geschrieben.

Der Wuffel versuchte es immer wieder. Ungläubig. Kopf runter, schlabbern. Und angewidert den Blick abwenden. Und weiter. Der Wind pfiff.  Die Sonne war mehr zu erahnen als zu fühlen. Die Möven kreischten, wann immer der Wuffel kopfüber zwischen sie stürzte ohne eine aber zu fassen zu kriegen.. Und am Strand in Usedom war meilenweit keine Menschenseele. Nur ein kleiner Punkt, der sich langsam aber stetig näherte. Aber dabei immer wieder innehielt.
Wir waren an die Ostsee gefahren. Als kleine Belohnung nach der abgegebenen Diplomarbeit. Zwei Tage raus. Den Kopf frei kriegen. Denn außer Uni und Kneipe hatte sie lange nichts gesehen. Und sie war so gespannt, wie ihr Liebling auf das Meer reagieren würde. Allein auf das Salzwasser. Wie eine kleines Kind malte sie sich die Szene in den buntesten Farben aus. Ob sie erschrecken würde vor den Wellen? Sie anblaffen? Kannte sie ja nicht als reiner Großstadthund. Und da stand sie nun, alle vier Pfoten in den Wellen und konnte es nicht fassen, dass das Wasser nicht schmeckte. Doch der Strand! Die ganzen Äste und Stöcke. Ein Paradies. Nicht nur für Vierbeiner. Wie von der Tarantel gestochen peste sie ihn rauf und runter. Sand staubte durch die Luft., wenn der Wofffel heranstürmte udn wieder abhaute.
Sie immer hinterher. Ich hinterdrein. Wir balgten uns untereinander. Zu zwei, zu Dritt. Warfen Stöcke oder lachten uns schlapp, wenn ein Ast größer als das Fell war und sie ihn trotzdem hinter sich herschleppte. Ihr fröhliches Bellen durchschnitt die klare Herbstluft, die schon erste Vorboten des kommenden Winters mit sich führte.
Der kleine Punkt war mittlerweile größer geworden und durchaus als eine vermummte Gestalt zu erkennen. Immer wieder beugte diese sich vor, stöberte mit ihren Hände im Tang. Und ging weiter.
Bis der rotbraune Blitz sie umtobte. Laut anblaffte. “Unser Strand. Unser Revier.” Doch die alte Dame lachte nur. Jeden morgen kam sie hier lang. Und zeigte uns, warum sie ständig stehen blieb. Bernsteine! Der Wind hatte sie an den Strand gespült. Zwei Stück hatte sie schon gefunden an diesem Morgen. Mehr nicht. Aber sie suchte ja jeden Tag. „Hier für euch. Passt gut auf euch auf. Ihr seht so glücklich aus.“
In Berlin legten wir die Kleinode im Regal ab. Zu Füßen des Sparbären schlummerten sie vor sich hin. Tagelang. Wochenlang. Die Zeit verging. Irgendwann, warum auch immer, stutzte ich. Da fehlte doch was? Wo waren sie hin? Nirgends konnte ich sie finden.
Sie hatte sie beide an sich genommen, in ihr Portemonnaie gesteckt! „Es war doch eh schon einer runtergefallen …”

Die Muppets

Januar 19, 2012 von Manuela Brunner Abgelegt in Gesehen.

muppets_11_wideKönnt ihr es auch nicht mehr ertragen? Muppets hier, Muppets da. Seit letztem Sommer schon schwappt eine Welle der Vorfreude aus den USA zu uns herüber. „Irgendwann wurde mir klar, dass seit dem letzten Film eine ganze Generation Kinder herangewachsen ist, die keinen Muppets-Film im Kino gesehen hat“, erklärte Jason Segel im Interview zur Premiere des Films. Das habe er ändern wollen, und mit subtilen Druckmitteln haben er und sein Co-Autor Nicholas Stoller es tatsächlich geschafft: Thanksgiving 2011 endete die muppetlose Zeit.

Wie fast alles, was Kinder lieben, gehören die Muppets inzwischen zu Disney. Dass der Konzern es wie kein anderer versteht, ein wahres Merchandising-Feuerwerk um einen Film herum zu orchestrieren, ist hinreichend bekannt. Neu ist allerdings, dass dezidiert Erwachsene angesprochen werden: Ganze Makeup-Linien in Farbschattierungen wie „Warm and Fozzie“ oder ein Paar extra von Christian Louboutin für Miss Piggy entworfene Schuhe machen klar: Im Luxus-Segment lässt sich mindestens soviel Geld an den Muppets verdienen wie mit Bleistiftanspitzern und Brotdosen für die Kleinen.

Ist es jetzt also passiert? Sind die Muppets unserer Kindertage nur noch eine riesige Marketingmaschine? Taugen die alten, wuschligen Stoffpuppen überhaupt noch für das moderne Kino? Wirkt Kermit der Frosch neben der 3D-Animation von „Avatar“ nicht wie eine angestaubte Sockenpuppe?

Es gibt mehr als einen Moment, in dem der neue Film seinem Hype nicht gerecht wird. Manche Schauspieler können eben mit Puppen zusammen spielen, manche können es nicht. Oscargewinner Chris Cooper gehört leider zur zweiten Kategorie. Er spielt den bösen Öl-Magnaten Tex Richman, der es auf das alte Muppet-Studio abgesehen hat, weil er darunter Ölvorkommen wittert. Seine fiese Pläne sind nur abzuwenden, wenn die alte Truppe (mal wieder) eine letzte, große Show auf die Beine stellt, die genug Geld einspielt, damit die Muppets ihr geschichtsträchtiges Theater erhalten können. Musikeinlagen im Film sind schon an sich eine zweischneidige Sache: Manche stehen drauf, andere krümmen sich vor Schmerz, wenn eine Filmfigur unvermittelt in Gesang ausbricht. Coopers Hip-Hop-Nummer jedenfalls ist eine der peinlichsten Szenen des ganzen Films, eine blöde Anbiederei an das, was Produzenten so für den Geschmack des jungen Publikums halten. Ein paar weniger „meta-meta“-Witze hätten dem Drehbuch auch gut getan.

Aber all das ist am Ende nur kleinliche Krittelei. Der neue „Muppets“-Film ist wirklich so zauberhaft, wie es allerorten heißt. Jason Segel und Amy Adams sind absolut hinreißend, und ihre Musiknummern, besonders die Power-Ballade „Man or Muppet“, gelten als heiße Kandidaten für den Oscar 2012 in der Kategorie „Bester Song“. Nicht zu vergessen die zahlreichen Cameo-Auftritte aktueller Fernsehlieblinge wie Neil Patrick Harris aus „How I Met Your Mother“ oder John Krasinski aus „The Office“. Und wer jetzt noch nicht überzeugt ist: Als Vorfilm gibt es einen neuen Kurzfilm von Pixar, der im „Toy Story“-Universum spielt. Wenn das nicht reicht, um euch ins Kino zu locken, dann kann ich euch auch nicht helfen. Wer mag, kann sich den Hauptohrwurm „Life’s a Happy Song“ schon mal vorab anhören:

Die Muppets – USA 2011. Regie: James Bobin. Drehbuch: Jason Segel, Nicholas Stoller. Kamera: Don Burgess. Schnitt: James Thomas. Musik: Bret McKenzie, Christophe Beck. Produktion: Mandeville, Muppets Studio, Walt Disney.

Starttermin: 19. Januar 2012

Maskenball

Oktober 31, 2011 von Peter Dessin Abgelegt in Geschrieben., GLitterarisches.

Die Frauen ihrer Männer sterben aus

Ein bunter Regen biegt sich übers Meer

Wie eine Brücke. geht von Haus zu Haus

Die Kinder haben keine Eltern mehr

 

Und schwarze Männer fliegen auf den Mond

Der Fluss nimmt seine Arme aus dem Bett

Und taut die Wüsten auf. die er bewohnt

Die Sonne hockt im Zelt und lächelt nett

 

Und murmelt matt: ich mach doch alle gleich

Im Abendlicht. Die weißen Nebel glühn

Die weisen Steine werden leicht und weich

Und fangen („Träumen müssen!“) an zu blühn

 

Die Masken fallen. keine. die dir glich

Wenn ich dich doch nur sehen könnte. dich

 

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Abschied von J. (mit dem senkrechten Blick)

August 15, 2011 von Peter Dessin Abgelegt in Gefunden.

Du legst Mozart auf, adagio, die Funken runzeln die Stirn
springst zurück unter die Decke – es puckert mir im Hirn
spür deinen Atem tief im Nacken, deinen Arm auf meiner Brust
an der Wand blühn immer Rosen und in uns verblüht die Lust

Langsam schieben sich die Lider vor die Augen, und der Mund
wird mir trocken immer wieder so vom Wein, vom Küssen und
dann schleiche ich mich barfuß in die Küche an den Hahn
komm zurück mit meinem Glas: du sitzt aufrecht, schaust mich an

Mit dem senkrechten Blick, der bis Feuerland reicht
der mich taubstumm und wahnsinnig macht
Mit dem senkrechten Blick, der selbst Steine erweicht
der Lawinen gleich mir völlig die Luft nimmt heut‘ nacht

Schon sitzen tausend rote Flügel zitternd im Holunderstrauch
und verwunschne Königskinder treiben flussabwärts Bauch an Bauch
phosphorgrüne Ziffern grüßen blitzend schon das neue Jahr
was im alten Jahr noch dunkel, wird im neuen wasserklar

Ich liebe ich liebe ich liebe
ich liebe dich nicht

Ich liebe ich liebe ich liebe
ich liebe dich nicht

Danke, danke danke
dass du den Felsen fest fässt, dass du ihn nicht verlässt
Also danke, danke danke
ich verschwinde und bau mir ein eigenes Nest

Wo immer ich hingeh‘ wird die Hölle los sein
werd‘ ich nächtelang nach dir mir die Lungen ausschrei’n
werde langsam verbluten, werd‘ ersticken im Mief
werd‘ meine Liebe lang fluten werde sinken so tief

Mit dem senkrechten Blick, der bis Feuerland reicht
der mich taubstumm und wahnsinnig macht
mit dem senkrechten Blick, der sinnlos Steine erweicht
der Lawinen gleich polternd zu Tale kracht

Ich liebe ich liebe ich liebe
ich liebe dich nicht

Ich liebe ich liebe ich liebe
ich liebe dich nicht

Ich liebe ich liebe ich liebe
ich liebe dich…

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Ein Satz nur noch

Juni 19, 2011 von Peter Dessin Abgelegt in Geschrieben.

Wenn man, so wie ich, altersbedingt und auch sonst irgendwie, wenig Zeit hat, oder sich die Zeit, die man hat, schlecht einteilt oder, was auch vorkommen kann, sie vertrödelt mit mehr oder weniger unsinnigen (andere sagen: komplett unnötigen, respektive weglassenswerten) Tätigkeiten, oder, was auch vorkommen kann, diese wenige Zeit verträumt, verschläft, versäuft, …, dann kann man, so wie ich, das Fehlen der restlichen Zeit damit kompensieren, indem man, so wie ich, nur ganz, ganz kurze Texte schreibt, solche, bei denen ein Lidschlag schon eine ganze Zeile auszulöschen imstande ist, solch kurze Sätze, die einen versucht machen, gaaaanz langsam zu reden, damit der Zuhörer sie nicht beim Einatmen überhört, damit sie überhaupt wahrgenommen werden können, wenn man also, so wie ich, aus solch altersbedingter etc. Lage heraus immer in der Versuchung ist, sich kurz zu fassen (man ist ja schließlich kein Thomas Mann), dann, geneigter Leser, solltest auch du, der du dich immer herum plagst mit der Schwierigkeit vermeintlich einfacher Satzkonstruktionen, dann solltest auch du, so wie ich, dich darin üben, kurze, klare, überschaubare und möglichst wenig verschachtelte (wobei dieses Wort allein mich schon zu neuen Diskursen hinreißen könnte) Sätze, ja quasi Ein-Satz-Sätze! auf’s Tapet zu bringen, auf das der geneigte Leser, zu dem ja auch du dich zählst, so du noch nicht weggenickt bist, mit einem Kopfnicken reagierst oder wenigstens mit einem – und sei es auch nur geheuchelten – wohlwollenden Lächeln, wenn man also, so wie ich (um es abzukürzen: siehe oben)…, dann ist es ganz klar, dass man (insbesondere ich) immer versucht ist, alles, das Einfache wie auch das Schwierigste, in einen einfachen Satz zu packen.