spree:geflüster

Gesehen. Gehört. Gelesen. Gefunden. Geschrieben.
Subscribe

Archive for Juni, 2009

Entsätzen

Juni 30, 2009 von Bunki abgelegt in: Gefunden., Gelesen., Geschrieben.

Es gibt Sätze, die lassen einen immer wieder staunend und mit offenem Munde zurück. Manche wegen ihrer schlichten Schönheit. Manche aus anderen Gründen. Heute war es mal wieder so weit. Man stutzt, man staunt, und denkt: Wie jetze?

Leider bin ich heute nicht  über einen der tollen ersten Sätze gestolpert, die man immer irgendwie im Gedächtnis behält. Sätze, für die sich Cordt Schnibben völlig zu recht rühmen darf. Ein Satz, der sich für immer in meine Gehirnmatrix eingebrannt hat, ist folgender. Auch wenn ich ihn jetzt nur unfrei zitieren kann: „Der Friedhof war so schön, dass man auf der Stelle tot sein mochte.“ (Anmerkung in eigener Sache: Wenn einem unserer geneigten Leser die zu diesem Satz zugehörigen Reportage zu Eigen ist, wäre ich höchst dankbar, wenn er sie mir wieder zugängig machen könnte. Ich habe sie verloren und trotz intensivstem Suchen nicht wieder gefunden. Danke!)

Doch heute bin ich nicht über so ein wunderschönes  Kleinod gestolpert. Mehr so im Gegentum. Beim Blättern durch die bunten Gazetten unserer Hauptstadt stieß ich auf folgende Passage:  Tatsache ist: Seit Jahren kursieren Gerüchte, dass Michael nicht der leibliche Vater ist.

Das muss man sich doch echt mal mal auf der Zunge zergehen lassen: Tatsache ist, dass Gerüchte seit Jahren kursieren. Woraus ich messerscharf schließe, es ist kein Gerücht, dass der Schreiberling dieser Zeilen keine Tatsachen darüber weiß. Nicht eine, die  vor einem Gericht statthalten würde.

Was er seinem Leser aber nun so gar nicht gewillt ist, mitzuteilen. Auf perfide Art und Weise wird hier der Kläger zum Beklagten gemacht, der Angreifer zum Opfer. Durch die Tatsache, dass die Gerüchte seit Jahren kurisieren, wird behauptet, dass sie doch wahr sein müssen, weil sie ja seit Jahren nicht aus der Welt geschaffen worden sind. Wo Rauch ist, ist bekanntlich auch Feuer. Q.e.d, wie Mathematiker zu sagen pflegen. Das ist eine Perle, die man echt nur mit Fassung tragen kann.

Pünktum

Juni 30, 2009 von Bunki abgelegt in: Geschrieben.

Für viele fängt es ja immer gleich damit an, dass am Ende der Punkt fehlt. Was bei uns eindeutig nicht das hüpfenden Komma ist. Mehr so im Gegentum.

Uns fehlt kein Punkt, weder anfänglich noch hinlänglich oder überhaupt, es fällt auch kein Zacken aus der Krone. Wir sind sozusagen überpünktlich. Denn wir haben derer Punkte zwei, die sich frisch-fromm-fröhlich-frei genau auf dem u über unser Webadresse tummeln. Was anderen Ortens schon für Verwirrung sorgte. Leider.

Nun gebricht es mir leider an den Fähigkeiten, dieses Problem zu beheben (No-Nerd-Faktor), welches auch schon jener junge Herr hier nicht ganz zu Unrecht beklagte. Langer Rede, unkurzer Sinn, um mal zum Punkt zu kommen, ich glaube, dass wir mit diesem Problem leben müssen. Pünktum. Pünktuell lässt es sich ja beheben, wenn man die Adresse ein zweites Mal anklickt. Nötigenfalls manuell eingeben.  Unbequem, ich weiß. Und das im Zeitalter des Vollautomatischen.

Aber ist das wirklich so schlimm? Ein Anton wäre ohne sein Pünktchen unglücklich geworden. Manch Bundesligaverein täte Schlimmeres am Ende einer Spielzeit ohne Punkt und Komma, um das eine oder andere Pünktchen mehr auf dem Konto zu haben. Freuen wir uns also über derer zwei.

Die unerträgliche Schnelligkeit des Seins

Juni 26, 2009 von Peter Dessin abgelegt in: Gehört., Gelesen., Geschrieben., Getwittertes.

Um es vorweg zu nehmen: Ich liebe dieses Zeitalter, Web2.0 genannt, ich liebe diese Informationsflut, die auf mich herein strömt und die ich kaum zu verarbeiten imstande bin. Und, ja, ich gebe es zu: Ich bin verliebt in Twitter.

Twitter, dieses kleine Monster, das mich mit Begeisterung, manchmal mit Befremdung, zum Glück oft mit herzlichem Lachen erfüllt hat, das mich oft mit politischer Kontroverse zum Nachdenken und Nachfragen brachte, dieses Twitter-Monster zeigte mir heute nacht sein wahres Gesicht: Heinz.

Als um 2:26 p.m. L.A Time, also um 23:26 MESZ ein Heroe der internationalen Popkultur an Herzversagen verstarb, läuteten bei Twitter die Alarmglocken. Die Nachrichten, widersprüchlichster Art, überschlugen sich. Zweifelhafte Quellen wurden zitiert, wieder revidiert, andere Quellen genannt, die sich auf die ersten Quellen bezogen…. und ganz Twitterland bebte. Um 1.30 Uhr (unserer Zeit) ging nichts mehr. 12.640 Tweets in 20 sec., las ich später. Der FailWhale war nie öfter in internationalen Gewässern gesichtet worden.

War alles ein Spuk? Ein Fake? Zu dieser Zeit wusste es keiner der aktiven Twitteratis. Mithin konnte man eine gewisse Beunruhigung beobachten, ob sich nicht vielleicht die Geläufe der Geschichte als selbsterfüllende Prophezeiung entpuppen sollten:

Ich bin eine Vorahnung

(An dieser Stelle möchte ich etwas abkürzen. Zu viele Tweets, zu viele virtuelle Tränen müsste ich hier abbilden.)

Doch leider: Letztlich sollte sich die gute Mellcolm irren. Ja, es war passiert. Im Minuten-, was sage ich! Sekundentakt wurden Tausende mehr oder weniger Anteilnehmende geschüttelt und gerührt ob dieser unfassbaren Wahrheit: Jacksons Michael ist tot.

Und während ich diese Zeilen auf die Tastatur kliere, mag ich’s immer noch nicht fassen. Ich mag nicht fassen, dass ich es – dank (?) Twitter hautnah miterleben musste, wie ein König seiner Zunft zu Grabe getragen wurde, kaum dass sein Körper erkaltete. Ich mag nicht fassen, dass ein gebleichter King of Pop, der in den letzten zehn Jahren kaum mehr geleistet hatte, als für zweifelhafte Schlagzeilen zu sorgen, mehr Aufmerksamkeit bekommt als die am selben Tag gestorbene Farrah Fawcett, als der Abschied der wunderbaren Bascha Mika von der taz, als… [wahlweise selbst einzufügen]

Versteh‘ mich bitte nicht falsch, geneigter Leser. Auch ich bedauere den Tod Michael Jacksons. Aber dieser Tod sollte uns nicht drei (in Worten: 3!) Stunden davon abhalten, uns über die anderen wichtigen Dinge zu informieren. Über die, die die anderen 6 Milliarden Lebenden betreffen, zum Beispiel.

Und letztlich: Es waren ausnehmend schnelle, zu schnelle drei Stunden. Es war die unerträgliche Seichtigkeit des Heinz.

PS:
Hier noch ein Link zum wahrscheinlich schnellsten Blogpost zum Thema: [hier klicken] von Tristesse deluxe.

PPS:
Michael Jackson wäre am 29. August 51 Jahre alt geworden.

M.j. *29.08.1958 – †26.06.2009

Michael *29.08.1958 – †25.06.2009

Offline-Zensur

Juni 22, 2009 von Peter Dessin abgelegt in: Gesehen.

„Wir müssen draussen bleiben!“

Offline-Zensur

Offline-Zensur

Schönheit erfahren

Juni 22, 2009 von Sebastian abgelegt in: Gesehen.

Du bist etwas ganz besonderes. Nicht besonders schön, das stimmt. Aber interessant. Zu tausenden kommen die Besucher. Nun ja: Sie kommen vorbei. Oder genauer: Sie fahren vorbei. Mit über 100 Kilometern pro Stunde auf der Autobahn. Aber nimm es nicht persönlich! Hübsch dich auf! Du weißt nicht wie? Ach, das ist ganz einfach! Ein paar Milliönchen nur und du wirst die schönste Braut! Kein Geld? Da kann ich auch nicht helfen. Obwohl: Ich hätte da ein Sonderangebot. Das gibt es zum Schnäppchenpreis. Du bleibst zwar schmucklos und fade, aber wir stellen große Tafeln an den Autobahnen auf. Auf denen steht dann, wie interessant und schön du bist. Die Wahrheit kann vom Auto aus sowieso keiner überprüfen. Du bist eine Kürassierstadt, du hast einen Zoo (der beste Kleine) oder bist gar im Besitze eines Schlosses oder Klosters. Dann du verlassene und verlebte ostdeutsche Kleinstadt, gibt es noch Hoffnung. Du wirst weiter existieren im Bewusstsein eines jeden Autobahnreisenden. Und ja: Du bist etwas ganz besonderes.