spree:geflüster

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Archive for August, 2009

Azrael

August 31, 2009 von Gastautor abgelegt in: Geschrieben., GLitterarisches.

(Ein Beitrag zu „Teuflische 666 Wörter ohne Anglizismen“)

von Klaus Schrage

Kein Zweifel, mit seinem Leben war Azrael nicht mal unzufrieden. Gut, als Abgesandter des Teufels war er auch für unschöne Dinge zuständig. Aber auf Planeten mit Lebewesen gibt es eben immer einen Verdrängungswettbewerb. Und der muss stattfinden, so unerfreulich das manchmal ist.

Das Böse brauchte also einen Vertreter auf Erden. Weil er aber die Menschen mehr mochte, als ihm das von Satan zugestanden war, bemühte sich Azrael darum, die Folgen seines Handelns in Grenzen zu halten. Im Grunde seines Herzens war er ein Witzbold, der nur spielen wollte. Sicher, ein kleines Erdbeben musste er gelegentlich veranstalten. Schon, um den Herrn der Unterwelt zu besänftigen. Aber sonst war Azrael mit sich selbst im Reinen. Er hatte es, da war er sich sicher, nie zu schlimm getrieben. (mehr …)

Die Welt ist ein Ungeheuer

August 31, 2009 von Gastautor abgelegt in: Geschrieben., GLitterarisches.

(Ein Beitrag zu „Teuflische 666 Wörter ohne Anglizismen“)

von Miss Geschick

Kann man das so schreiben? Eigentlich müsste man ein Eigentlich einfügen, denn das wäre eine Einschränkung, aber will ich meine Worte einschränken? Nein, es muss so hart und ungerecht ausgesprochen werden, denn sonst merkt ja niemand mehr was heutzutage, wer nicht mit Gewalt kommt, wird nicht gehört! Auch ein Merkmal des Ungeheuers.

Teuflisch, diabolisch und extrem gefährlich. (mehr …)

Teuflische 666 Wörter ohne Anglizismen

August 31, 2009 von Peter Dessin abgelegt in: Geschrieben.

Vor ungefähr einer Woche regte @fibbi aka Miss Geschick via Twitter an, einen Text mit genau 666 Wörtern zu schreiben, der keine Anglizismen enthalten darf und das Thema „teuflisch“ im weitesten Sinne beackert.

Leider haben sich zu wenige Twitten und Twitteratis zu diesem teuflischen Plan eingeladen gefühlt. (Vielleicht wären sie ja mit 666 Zeichen eher zu begeistern gewesen.)

Nachfolgend also die ersten Einsendungen: von Miss Geschick und von Klaus Schrage aka @hirnduebel.

Viel Vergnügen!

Einen Plattenwitz gemacht

August 25, 2009 von Sebastian abgelegt in: Gelesen.

Hat er mal einen richtigen Scherz gemacht. Wolf-Dieter Poschmann. Genau – der Poschi. Beim Hammerwurffinale der Damen sprach er über die deutsche Medaillenhoffnung: „Wenn man in Marzahn aufgewachsen ist und das unbeschadet überlebt hat, ist man zu allem fähig.“ Und hat es wehgetan? Nein. Weh tut die Betroffenheitsrhetorik.

Petra Pau (PDS), die sich abermals um ein Direktmandat in Marzahn-Hellersdorf bemüht, spricht von einem „arroganten Herabsehen aus dem Westen“ und offenbart damit das gleiche schlichte Verständnis wie Poschmann. Politisch-korrekte Sprüche von Monika Grütters (CDU). Sie bewirbt sich – Überrschung! – um den gleichen Sitz wie Pau. Und letzten Endes natürlich noch eine Einladung an Poschmann, den Bezirk zu besuchen. Ausgesprochen von der Bezirksbürgermeisterin. Man möchte kotzen, ob soviel triefender provinzieller Selbstgerechtigkeit.

Keinen Aufschrei hingegen verursacht diese Wahrheit. Und die schmerzt wirklich. Poschmann wieder mittendrin.

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Die sieben Söhne der Frau Woche (VII)

August 23, 2009 von Peter Dessin abgelegt in: Geschrieben., GLitterarisches.

Der Sonntag

Sonntags schlafen meine Eltern immer etwas länger. Ich machte mir daher selber eine Kleinigkeit zu essen, um gestärkt den Weg in den Stadtpark antreten zu können.

Dort angekommen, bin ich überrascht. Meine Freunde sind da, ja, aber mit ihnen auch eine große Gruppe, die ich nicht kenne.

Das sollte sich alsbald ändern. Aus dem Pulk mir unbekannter Erwachsener schälte sich der Sonntag heraus – er war jetzt größer, als ich erwartet hatte. Er kam auf mich zu und begrüßte mich freundschaftlich. „Leopold“, rief er mir zu, „es ist schön, dich heute noch einmal zu sehen.“

Ich erwiderte seinen Gruß, aber er ließ mich fast nicht ausreden.

„Leo, wie du siehst, sind wir heute nicht alleine hier.“ Ich nickte, gespannt, was er jetzt zu erzählen hatte.

„Vorgestern waren wir bei einem Familienfest und schon heute treffen wir uns schon wieder. Alle waren gespannt, dich kennen zu lernen.“

Ich war verwirrt. Wer? Alle diese Unbekannten dort? Aber bevor ich fragen konnte, fuhr der Sonntag fort: „Alle diese Leute, die du hier siehst, sind mit uns verwandt. Wir Wochentage sind die Jüngsten. Unsere Mutter steht dahinten, das ist Frau Woche. Sie redet gerade mit ihren Onkeln, den Monaten.“

„Von den Monaten habe ich schon gehört“, warf ich ein. „Ich kenne auch schon die meisten.“

Ich zählte die Monate auf, die ich kannte, aber ich vergaß den einen oder anderen. Der Sonntag beruhigte mich. „Für die meisten Menschen ist Zeit etwas Absolutes. Die Monate folgen einander genau so wie wir Wochentage einander. Aber während wir Tage ständig im Bewusstsein der Menschen sind, sind die Monate nicht so wichtig. Gut, sie werden benutzt, um wichtige Tage besser festhalten zu können. Oder, um unsere größeren Verwandten, die Jahreszeiten, besser einordnen zu können.“

„Die Jahreszeiten sind eure Großonkel, die mir das Gedicht geschrieben haben?“ fragte ich.

„Ja, das hast du gut erkannt“, erwiderte der Sonntag, „und heute sind wir alle hier: Deine Freunde, die Wochentage, die Monate, die sich genau wie wir immer abwechseln, die Jahreszeiten, die sich immer streiten…“

„Und wer ist diese alte Frau dort hinten, die immer lächelnd mal mit diesem, mal mit jenem redet?“ fragte ich, die gesamte Runde genau beobachtend.

„Das, mein lieber Leo“, (ich mochte es, wenn meine erwachsenen Freunde mich bei meinem Spitznamen nannten) „ist unsere Urmutter, die Zeit. Sie läuft davon, wenn du sie am meisten brauchst, und sie ist da, wenn du meinst, ohnehin genug von ihr zu haben. Sie lässt sich messen, wenn du eine Uhr hast, hast du aber keine, wird sie dir viele tolle Streiche spielen.“

Gerade wollte ich dem Sonntag darauf hin etwas entgegnen, merkte ich, dass meine guten Freunde, die Wochentage, verschwunden waren. Der Winter, einer der Gr0ßonkel des heutigen Sonntags, strich mir noch einmal über’s Haar, wortlos verschwand er, zusammen mit den anderen.

Zurück blieb ich, allein gelassen mit einer alten, sehr gutmütigen Frau. Der Zeit. Und diese zwinkerte mir zu und gab mir zu verstehen: „Wenn du meinst, nichts mehr zu haben auf dieser Welt – Eines hast du immer: Zeit.“

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„Leopold!“ Ein scharfer Ruf reist mich aus meinen Träumen. „Leo, du wolltest doch eine Gute-Nacht-Geschichte schreiben.“

„Ja“, erwidere ich müde. „Ich fange gleich am Montag damit an.“ Sofort schlafe ich wieder ein. Und das solltest du jetzt auch tun. Wer weiß, vielleicht träumst du ja auch von den sieben Söhnen der Frau Woche?