spree:geflüster

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Archive for November, 2009

Geld holen

November 28, 2009 von Sebastian abgelegt in: Geschrieben.

„Wir treffen uns morgen alle um drei Uhr am U-Bahnhof Schönhauser“, sagt die Mutter zu ihren beiden Töchtern beim Abendessen. „Und ich werde Mathias vorher noch aus dem Kindergarten abholen.“ Die Kinder nicken.

Am nächsten Tag stehen die Mädchen, Dorit und Franziska, an der Treppe, die zur U-Bahn hinaufführt. Auf beiden Seiten fahren die Autos die Schönhauser Allee entlang. Aus dem Aufgang vom S-Bahnhof strömen die Menschen hoch über die Straße zur Straßenbahn oder zur U-Bahn. Es nieselt. Die Straßenlaternen leuchten bereits ihr fahles gelbes Licht. Die Straßen grau. Die Straßenbahn grau. Die orange Lackierung ist kaum noch zu erkennen. Auch die Menschen machen einen grauen Eindruck. Nur vereinzelt sind bunte Plastiktüten zu erkennen.

Mit schnellen Schritten kommt die Mutter, den zweijährigen Mathias auf dem Arm, von der Straßenbahn herübergelaufen. Ein Küßchen für die Mädchen und hoch geht es zur U-Bahn. Mit lautem Krachen fährt die weiß-gelbe Bahn ein. Auf der Fahrt wechseln die vier kein Wort. Umsteigen in die weinrot-weiße S-Bahn.

„Bahnhof Friedrichstraße. Endstation. Alles aussteigen!“ Die Massen laufen die Treppen hinunter. Vor dem Gebäude neben dem Bahnhof steht eine lange Schlange. Sie stellen sich hinten an. Nach kurzer Zeit fragen die Kinder bereits: „Wie lange dauert es noch?“ Die Kleinen wirken etwas verloren zwischen den großen Leuten.

Nach etwa einer Stunde erreichen sie den Eingang. Innen betreten sie einen schmalen Gang, der von Neonröhren erleuchtet ist. Oben hängen Spiegel. Links und rechts befinden sich Fenster. Dahinter Uniformierte. „Den Personalausweis!“ Die Mutter legt das blaue Heftchen auf die Durchreiche. Der Stempel saust nieder und große Hände schieben das Dokument wieder zurück. Weiter geht es den langen Gang. Biegung nach links. Biegung nach rechts. Dann wieder Uniformierte. Doch diese winken nur durch. Jetzt Treppen hoch. Wieder links herum und wieder hoch. Die vier stehen wieder auf einem S-Bahnsteig. „Mutti, wo sind wir? Sind wir schon in Westberlin?“ – „Ja.“ – „Sieht aber schmutzig aus.“

Die S-Bahn sieht genauso aus wie vorhin. Nur die Lackierung ist anders. Ocker und rot. Auf den Stationen steigen wenig Menschen ein oder aus. Erst am Bahnhof Zoo wird es unübersichtlich. Überall liegt Müll. Menschen liegen auf dem Pflaster. Menschen hasten daran vorüber. „Fasst euch alle an den Händen und lasst nicht los!“ fordert die Mutter mit eindringlicher Stimme. Dann gehen sie los zur Gedächtniskirche. Ab und zu halten sie an, weil die Mutter Passanten fragt. Die Kinder achten nicht auf die Mutter. Franziska knufft Dorit in die Seite und zeigt auf ein Werbeplakat. „Schau mal! Da steht „“Попробуйте Вест!“ Und zur Mutter gewandt: „Warum schreiben die hier Russisch?“ Die antwortet nervös: „Sei ruhig! Und sprich nicht darüber!“

Sie verschwinden in einem U-Bahnhof, vor dem sie noch einen Falkplan geschenkt bekommen. „Mit den aktuellen Grenzübergängen!“ steht darauf geschrieben. „Osloer Straße. Wir müssen zu Osloer Straße“, murmelt die Mutter vor sich hin. Den Stadtplan steckt sie in ihre Handtasche, die sie eng an sich gepresst trägt. Sie steigen in eine orange U-Bahn ein. Wobei sie mehr hineingedrückt werden, als dass sie selbst gehen. Die Bahn ist so voll, dass es selbst für den kleinen Mathias keinen Sitzplatz gibt. Angeboten wird dem Kind auch keiner.

Als sie aus dem U-Bahnhof Osloer Straße an die Erdoberfläche kommen, stehen sie an einer großen Kreuzung. Die Mutter versucht den Falkplan zu öffnen. Dabei zerreißt er beinahe. Es ist bereits dunkel. „Können sie mir sagen, wo ich die Sparkasse finde?“ fragt die sie anschließend einen Passanten. Der zeigt quer über die Kreuzung auf das rote „S“. Davor sieht man eine kurze Schlange. Bei der Überquerung der Kreuzung werden sie von zwei türkischen Jungen überholt, die beide eine kleine Coladose so zertreten haben, dass diese die Schuhe eingeklemmt haben. Es klingt als ob ein Einbeiniger mit Dosenbein über den Asphalt läuft.

In der Sparkasse am Schalter für das Begrüßungsgeld. „Ich möchte das Begrüßungsgeld für meine Mann, mich und unsere drei Kinder abholen.“ Die Mutter reicht ihren Personalausweis und den des Vaters hinüber. „Wo sind denn die Kinder?“ fragt die Frau hinter dem Schalter. „Dorit! Franziska! Kommt mal mit Mathias her!“ Die Kinder treten vor das Glasfenster. „Und ihr Mann?“ – „Der ist dienstlich verhindert. Konnte nicht mit rüber kommen.“ Wieder saust der Stempel nieder. Mehrfach wird in den blauen Ausweisen dokumentiert, dass das Geld ausgezahlt wurde. Anschließend zählt die Frau der Mutter 500 D-Mark in die Hand. Die Kinder bekommen große Augen. „Ich will ein Telespiel!“ ruft Dorit. „Und ich ein Comic!“ sagt Franziska. „Seid ruhig! Wir kaufen heute gar nichts. Das besprechen wir mit Vati zu Hause.“ herrscht die Mutter die überdrehten Kinder an.

Die Rückfahrt verläuft ruhig. Mathias schläft bereits in den Armen der Mutter. Dorit und Franziska sind enttäuscht. Die anderen Kinder in der Schule waren bereits gleich nach der Grenzöffnung drüben gewesen und haben viele neue Sachen mitgebracht. Ein Telespiel wäre das gewesen, das sie sich schon seit Jahren erträumt hatten. Wenn nur der Vater mitgekommen wäre.

Ich ahnte nichts Böses.

November 27, 2009 von Peter Dessin abgelegt in: Gefunden., Gelebtes.

Da geht man einmal fein aus. Trifft sich mit einem Herren, von dem man vorher wusste, dass dieses Treffen nicht so ganz einfach würde. Oder, um es mit simplen, fast abgeschmackten Worten zu sagen: Ich ging los, und ich ahnte nichts Böses.

Selbst als ich die Straßenbahn (von Zugewanderten auch liebevoll “Tram” genannt”) bestieg, ahnte ich nichts Böses. Sie fuhr, ohne Verwirrte zu streifen, in einem Zug durch. (Dieser Satz ist, glaube ich, selbst für mich schwer zu verstehen: Ein Zug fährt in einem Zug durch, und von Haltestellen ist keine Rede…)

Wo war ich? Ach ja, beim Zug. Beim Durchstreifen. Bei den Ahnungen.

Ich kam also an, am Ziel. Ich traf diesen Herren, wobei ich vorher schon wusste, dass dieses Treffen nicht so ganz einfach würde. Und ich ahnte immer noch nichts Böses.

Heute hatte ich ausnahmsweise mein Taubenkostüm nicht an. Ich meine das taubengraue. Und so verwunderte es mich nicht, dass der Taubenvergrämer mich nicht vergrämte, sondern mir einfach und freundlich die Hand zum Gruß darreichte.

Und ich ahnte noch immer nichts Böses!

Nach über drei Stunden Konversation über Tauben (…ha! ich sehe, Ihr seid aufmerksam und merkt, dass ich Euch veräppele…), also nach über drei Stunden Monolog über Tauben (wieder falsch, angeschmiert!) … Ich fang noch mal an:

Nach über drei Stunden intensiver Gespräche über Taube und Stumme und die letzten übrig gebliebenen Zwitscherer, und jetzt wissen die Eingeweihten auch, wovon wir sprachen, ahnte ich immer noch nichts Böses. Über die Einzelheiten lasse ich Euch im Ungewissen, aber damit müsst Ihr eben leben. Doch dann, und nichts Böses ahnend lauschte ich freundlich,  lud mich der Herr Fitz ein (oder war ich es, der ihn frug?), beim Jour Fitz am 21. Dezember zu lesen.

Und ich? Ich sagte zu. Und ich ahnte noch immer nichts Böses. Und selbst, als wir uns trennten, war immer noch nichts Böses passiert.

Meine Ahnung hatte mich mal wieder nicht betrogen. Bis jetzt.

(Zur Illustrierung oben stehender Schilderung folgend die Orte des Geschehens:)

Herrentoilette Damentoilette

Tittentanz

November 23, 2009 von Bunki abgelegt in: Gehört., Gesehen.

Kreuzberg, Sonntagnacht. „Tittentanz im Spitzenschlüpfer – Berlins erste Lesung zum Ankieken.“ Lassen wir die obligatorische Verspätung mal außen vor, cum tempore, die ist ja noch zu ertragen. Zumal mancher es am Eingang auch mitgeteilt bekam. Und ich will mich jetzt auch nicht groß darüber aufregen, dass Verspätungen kein Ausdruck von Individualität sind, sondern mittlerweile ein Massenphänomen selbsterklärter Avantgarde oder digitaler Boheme oder was sich dafür hält. Kommen wir gleich zum Kern: Ein wenig mehr Spitzen, etwas weniger nur Schlüpfriges hätten dem Abend auch nicht schlecht getan. Es fehlt die leichte Note, die dem ein oder anderen ein kopfnickendes Schmunzeln, eine ironische Selbstreflexion hervorgelockt hätte. Hätte hervorlocken können. Brachiale Schenkelklopfer sollten die schönste Sache der Welt von ihrer komischen Seite beleuchten. Und brachten doch nur ein mehr oder weniger von oben herab durchscheinendes Weltbild, dass Männer als dumpfe, schwanzfixierte Toren betrachtet.

Über die Auswahl der Texte lässt sich auch streiten. Bisschen viel Pennälerhumor gepaart mit Fäkalerotik. Erinnerte doch stark an eine Schulabschlussfeier nach bestandenem Abitur. Ob Philip Roths Phantasien über die Masturbationsprobleme eines 13jährigen wirklich witzig sind beispielsweise. Über den Mangel an weiblicher Note aber nun nicht. Einseitig auf Ejakulationsgelüste fixiert sprach ein Großteil der Texte über die Häfte der Zuhör-Seherschaft wenig an. Zudem waren beispielsweise Pointen wie bei Altmeister Charles Bukowski so vorhersehbar, als hätte man als Freshman einen Kurs für die Kunst  des Schreibens am College belegt. Unterhaltend war das also weniger.

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Angelika

Ein überraschender Höhepunkt war allerdings die Geschichte eines BWLer-Pärchens, dessen dahinsiechende Beziehung betriebswirtschftlich einleuchtend analysiert wird. Da kam auch der weibliche Teil des Publikums im Festsaal Kreuzberg auf seine Kosten.

Ein weiterer Pluspunkt: die ruhige, sanfte Stimme des vorlesenden Trini Trimpop. Optisch an Hugen Egon Balder erinnernd, wie er dort in seinem Ohrensessel thronte und als Alt-Punkstar mit einer gewissen weltläufigen Gelassenheit vortrug. Moderatorin Anna Lege hatte ihre Anfangsnervosität zum Glück auch schnell abgelegt. Wenn sie sich künftig noch in der Kunst des freien Vortrages übt und nicht vom A4-Blatt abliest, und so viele Sachen musste sie nicht ansagen, könnte das noch besser gefallen.

Die burlesken Tanzeinlagen der „The Teaserettes“ hatten den Charme einer Selbstfindungsgruppe beim frisch einstudierten Ausdruckstanz. Immerhin: Überall Figur, genau an der richtigen Stelle. Wenn man es mag. Ihrem selbsternannten Anspruch, weg von oberflächlichem Klischeedenken zu agieren, wurden sie aber weniger gerecht. Und das alles noch für 15 Euro. Hätte man sich sparen können.

I’m singing in the rain…

November 16, 2009 von Peter Dessin abgelegt in: Gelebtes., Geschrieben.

In was für einer wunderbaren Zeit wir doch leben!

Es ist Herbst, hochherbstschaftlich, mit vereinzelt hellen Tagen und fast lauen, lauschigen Nächten, die schon den ersten Geruch des Winters mit sich bringen. Aber noch vermodert der Sommer in bunten Erdfarben, in allen Braun- und Rottönen unter unseren Füßen, während dick eingemummelte Leute durch den Nieselregen hasten.

Durch diesen lang anhaltenden Regen, die Fantastillarden schillernder Mikro-Swarowskisteinchen, befinden wir uns in einer ewig scheinenden  Moll-Landschaft, in dem das Panorama verschwimmt, in der alles, ob lebend oder nichtlebend, gleichermaßen seine Rauheit, Ecken und Kanten verliert und miteinander verwässert.

Regenbogen Jetzt ist die Zeit gekommen, sich in warme Decken einzukuscheln und den Regentropfen zu lauschen, die wild, cool und introvertiert auf die Fensterbank klopfen und so tun, als wären sie hier zu Hause. Und das sind sie ja auch. Denn Regen ist das ideale Element für Romantik.

Mit jedem Auswringen des überbordenen Stratokumulus, mit jedem neuen,  gleichmäßigen Regenguss wird eine neue Strophe eines uralten Liedes komponiert. Musik für die Psyche, ursprünglich, besinnlich, reinigend, segnend, nährend und rundum erneuernd.

Weltstadt.

November 05, 2009 von Manuela Brunner abgelegt in: Gesehen.

Klar, hell und kalt sind die ersten Bilder dieses Films. In seiner Anfangssequenz suggeriert Regisseur Christian Klandt zunächst eine Einheit des Raumes, die er schon nach wenigen Schnitten als Täuschung enttarnt. „Wir werden uns eine Zeit lang nicht sehen“, sagt der eine Gesprächspartner zum anderen. Ab jetzt kämpft jeder für sich allein.

06_Steffi (Karoline Schuch) kaempft verzweifelt gegen die Flammen

„Weltstadt“ – der Titel ist gleichzeitig ironisch gemeint und ganz ernst. Die brandenburgische Kleinstadt, in der er spielt, ist so weit davon entfernt, „Weltstadt“ zu sein, wie man es sich nur vorstellen kann. Die Geschichte aber könnte so oder so ähnlich überall spielen. Davon zeugen die vielen Preise, die der Film auf internationalen Festivals bereits gewonnen hat.

Till schmeißt seine Malerlehre, als er von seinem Chef erfährt, dass er ihn nach der Ausbildung nicht übernehmen wird. Sein Freund Karsten verbringt seine Tage mit Biertrinken und Kiffen. Probleme löst er gerne mal mit geballten Fäusten, weshalb er Sozialstunden in einem Obdachlosenheim ableisten muss. Tills Freundin Steffi jobbt im Sonnenstudio, würde aber lieber in einem Kosmetiksalon arbeiten. „Berlin“ ist für Till und Steffi – wie auch schon für die Protagonisten in Vanessa Jopps „Vergiss Amerika“ – das Zauberwort, das Versprechen einer besseren Zukunft. Doch sie schaffen den Absprung nicht. Ihnen steckt die Angst in den Knochen, zu enden wie ihre von Sorgen gezeichneten Eltern. Oder wie Heinrich, der schon zum zweiten Mal pleite macht, diesmal mit einer Imbissbude. Oder gar wie der Obdachlose im Park, der schließlich zum Opfer der aufgestauten Frustration von Till und Karsten wird.

04_Hendrik Arnst als Kioskbesitzer Heinrich

Florian Bartholomäi und Gerdy Zint sind in den Hauptrollen exzellent besetzt und immer glaubwürdig. Am anrührendsten und beklemmendsten ist jedoch Hendrik Arnst, der den glücklosen Heinrich spielt. An seinem letzten Abend lädt er seine Stammkunden auf ein Bier ein. Es wird getrunken und über die Verhältnisse geschimpft. Der letzte Staatschef der DDR wird da schon mal zum „guten, alten Erich“. Die Gäste verabschieden sich und Heinrich bleibt zurück, Tränen in den Augen. Allein vor seiner bankrotten Imbissbude, an einem Tisch voller leerer Flaschen.

05_Karsten (Gerdy Zint) und Till (Florian Bartholomaei) vertreiben sich die Zeit mit Alkohol und Videospielen

Es hat Tradition, dass die Absolventen der Filmhochschulen mit ihren Abschluss- oder Debütfilmen gern dorthin gehen, wo sie sich auskennen. Christian Klandt nennt „Weltstadt“, der im Rahmen eines Langfilmseminars an der HFF Konrad Wolf entstand, einen Heimatfilm. Und wir spüren, dass er und sein Kameramann René Gorski die Stadt und die Menschen dort in- und auswendig kennen. Beide sind in Beeskow, wo der Film gedreht wurde, aufgewachsen. Sie sehen mit dem klaren und unbestechlichen, aber dennoch liebevollen Blick dessen, der weg ging, und der mit geschultem Auge nach Hause zurückkehrt. Gorskis Kamera bleibt gern nah an ihren Protagonisten, beweglich, ein lebendiger, atmender Teilnehmer am Geschehen. Das ist nicht das kühle, distanzierte Kino, das man gern als „Berliner Schule“ verschlagwortet, auch wenn ein gewisser Einfluss vielleicht spürbar ist: das wache Interesse an der Wirklichkeit und der Wille zum durchkomponierten Bild, besonders in den Totalen. Manchmal erinnert der Stil des Films auch an einen, der ebenfalls an der HFF in Potsdam studiert hat – Andreas Dresen. Die Szenen mit dem Imbissbudenklientel rufen Erinnerungen wach an „Halbe Treppe“. Die Alten im Obdachlosenheim wecken eine leicht unangenehme Mischung aus Mitleid und Belustigung, fast wie der pflegebedürftige, pensionierte Lehrer aus „Sommer vorm Balkon“.

02_ Steffi (Karoline Schuch) diskutiert mit Nadine (Henrike von Kuick) ueber ihre Zukunft

Wie Karsten versucht, im Heim eine Küche zusammenzubauen und sich dabei die hämischen Kommentare der beiden alten Männer anhören muss – das ist einer der wenigen heiteren Momente in einem ansonsten sehr ernsten Film, der sich mit großer Sensibilität seines schwierigen Themas annimmt, ohne dabei in die Falle zu tappen, belehrend oder melodramatisch zu werden. Manchmal schafft es der junge Autor und Regisseur zwar noch nicht, seine kleine Welt so engmaschig zu stricken, wie er gern würde (Tills Vater, der Polizist, bleibt eine seltsam unverbundene Figur, deren Rolle erst zum Ende hin wirklich klar wird). Aber es wird spannend sein zu sehen, wie er sich schlägt, wenn er mit seinem nächsten Stoff in die Welt hinaus zieht, die er mit seinem Erstling so erfolgreich auf sich aufmerksam gemacht hat.

WELTSTADT

D 2008. Regie & Buch: Christian Klandt. Kamera: René Gorski. Schnitt: Jörg Schreyer. Musik: David Christiansen. Produktion: HFF Konrad Wolf & ARTE. Darsteller: Florian Bartholomäi, Gerdy Zint, Karoline Schuch u.a.

Starttermin: 5. November 2009

(Fotos: X-Verleih, Berlin, 2009)