spree:geflüster

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Archive for Dezember, 2009

monolog eines weihnachtssingles

Dezember 24, 2009 von Peter Dessin abgelegt in: Geschrieben., GLitterarisches.

los komm geschichtenerzähler komm und erzähle es ist doch weihnachten oder zählt das nicht mehr los erzähle komm und weihnachten ist doch das fest der liebe oder nicht doch aber was weiß ich denn was liebe ist nein woher denn

KANN ICH DIE DENN ANFASSEN

nein aber
warum kann ich die denn mit nichts messen was ich anfassen kann das gibts ja gar nicht es grummelt aber immer bei mir überall bin ich denn krank ja-nein oder doch ich muss ja ständig lachen und weinen und das zu weihnachten

IST DENN LIEBE UNGERECHT

oder was ist das was mich schüttelt oder hab ich die schwindsucht wo ich blut husten kotzen muss und marzipankartoffeln und ich fresse mich wild an den gänsen die haben doch auch geliebt als sie lebten ungebraten und fröhlich wurde ihnen jeden tag ein ganter in den arsch gesteckt das ist doch wohl auch keine liebe ja was dann
was weiß denn ich ich kann ja nur lachen und weinen und muss es

ICH WEISS NICHT WAS SOLL ES BEDEUTEN

ist das denn gut
jajaja schon gut gut ja aber liebe isses nicht die ist anders wie denn kann ich die überhaupt sehen oder riechen oder was oder merke ich die nur warum merke ich die nicht oder merke ich gar nichts mehr und hab sie oder nicht und kenn sie nicht oder
die ist vielleicht gar nicht zu merken da muss man sich ja täuschen lassen wie bei zuviel trinken ist ja auch unheimlich gut dabei und am nächsten tag erzübel und nur in der eigenen kotze liegen und da ist man wie gestorben

STIRBT MAN DENN AN DER LIEBE

ja aber viel zu langsam

Wo die wilden Kerle wohnen

Dezember 16, 2009 von Geraldine Arndt abgelegt in: Gesehen.

WTWTA_icon01_96x96 Als Spike Jonze beschloss, den Kinderbuchklassiker „Wo die wilden Kerle wohnen“ zu adaptieren, hatte er nichts weiter als 333 Wörter, umgeben von inspirierenden Bildern, mit denen Autor und Illustrator Maurice Sendak seine 1963 erschienene Geschichte vom kleinen Max erzählt.
Max, keine 1,50 m groß, ist nicht nur ein trotziger Junge, er ist ein wilder Kerl, der seine Gefühle nicht im Griff behalten kann, stattdessen in Wutausbrüche verfällt. Nicht verwunderlich, dass dieses Kind auch mal von der Mutter ohne Essen ins Bett geschickt wird. Umso fantastischer also, als Max auf einmal auf der Insel der wilden Kerle landet, welche ihn zu ihrem König krönen.
Was Maurice Sendak dabei in seinem Buch anschneidet, ist der Reifungsprozess des Jungen, der durch die Erfahrung mit den schwerumgänglichen Kerlen lernt, seine eigenen Wutausbrüche zu reflektieren.

wtwta4 Dies hat sich Spike Jonze zur Basis genommen, um seinen Hauptdarsteller Max Records gebührend zu inszenieren. Um den talentierten Zwölfjährigen baut der Regisseur eine beeindruckende Welt, in welcher dieser in das Beziehungsnetz der wilden Kerle verstrickt wird.
Acht Monate soll es dabei gedauert haben, die Figuren der Kerle zu entwerfen.
Eine bemerkenswerte Leistung, denn auf der Interpretationsgrundlage weniger Bilder, wurden für die einzelnen Wesen verschiedene Charaktere abgeleitet, welche unterschiedlich denken und fühlen – etwas, dass auch Max langsam zu begreifen beginnt. Besonders identifizieren kann er sich mit Caroll, jenem Kerl, der bei ihrem ersten Treffen aus einem Wutanfall heraus, alles um sich herum zerstört. In jenem Moment ist es auch, in dem sich Max vor den Kerlen behauptet, zu ihrem König gewählt wird und damit plötzlich vor einer unglaublichen Verantwortung steht. Er verspricht ihnen, ihre Traurigkeit zu verscheuchen.

wtwta2 Dies führt zum erstbesten, was so ein neunjähriger Jungen sich ausdenken kann – zu Dreckschlachten und wilden Partys.
Beides ist jedoch ein Grenzgang: mit jedem Ton der mitreißenden Filmmusik des Duos Karen O („Yeah Yeah Yeahs“) und Carterburwell, wird die Übermut und die Freude aller Beteiligten  transportiert, während zeitgleich Arme aus- und wilde Kerle brutal von ihren Füßen gerissen werden.
Die Regeln dieser Welt sind eindeutig nicht die unserer, doch Max muss lernen, dass er seinen Problemen nicht entkommen ist. Vielmehr wird der Junge mit Reflektionen seiner eigenen Emotionen konfrontiert; ist einmal nicht selbst der wütende Kerl, sondern direkt von der Unkontrolliertheit eines verletzen Carolls betroffen. An diesen Stellen wird einem wieder klar, was einen Jonze-Film so ausmacht – der rasche, realistische Riss aus purer Freude hin zu zitternder Angst gelingt dem Regisseur („Being John Malkovich“, „Adaptation“) in seiner üblichen Manier.
Dass er damit keinen Kinderfilm geschaffen hat, ist ihm dabei klar.
Einen Film über die Kindheit hätte er machen wollen, erklärt der Jonze und bekommt dabei Zustimmung von Debütant Max Records: “Das Buch zeigt, wie es ist, ein Kind zu sein. […] drückt alles aus, was man fühlt, wenn man aufwächst…”. wtwta1
Dass sich Max dabei aus den komplizierten Lebensumständen einer überforderten Mutter (Catherine Keener) und einer pubertierenden Schwester flieht, ist eine Ergänzung, die Sendak zusammen mit Dave Eggers speziell für den Film erschrieben hat. Viel aus ihren eignen Erfahrungen soll dabei mit eingeflossen sein, das Gefühl der Vernachlässigung, persönlich durchlebt, doch laut Jonze universal gültig. Er habe viele Kinder interviewt, sie befragt, worüber sie sich mit ihren Eltern streiten würden, und kam zu dem Schluss, dass alles in diesem Alter besonders dramatisch aufgenommen wird.
Seinen Hauptdarsteller muss er also viele starke Emotionen spielen lassen und meint Max Records viel abverlangt zu haben. Es scheint die Sache wert, denn jedes Lachen, jede Träne, jeden einsamen, traurigen Blick nimmt man dem Jungschauspieler ab und fühlt ihn mit.
Genau dieses Mitfühlen ist auch der Ansatz des Werkes von Jonze, Sendak und Eggers – sie sprechen direkt an, was man selbst vor zehn, zwanzig oder fünfzig Jahren erlebt hat und ziehen dann die puren Empfindungen auf eine bewusste Ebene, indem sie die vielfältigen Kerle als Spiegel von Max‘ Gefühlen nutzen.
wtwta5Auf solch einer Ebene hat man seine eigene Kindheit nie betrachtet. Leider ist der Film damit tatsächlich nicht für Kinder geeignet.

Er ist kein Märchen über das Kind sein, sondern zeigt uns, dass Kindheit eben nicht die wundervolle Zeit ist, die uns in Erinnerung bleibt, sondern bitterer, wie freudiger Ernst.

Avatar

Dezember 04, 2009 von Bunki abgelegt in: Gesehen.

Ich hab’s ja so mit der Werbung. Sehr zum Leidwesen mancher meiner Zeitgenossen. Aber ich freu mich auf gute Werbung. Und bei schlechter erwäge ich des öfteren, das Produkt nicht mehr zu kaufen. Kann man ja mal machen, oder?

Kinotrailer sind ja auch nichts anderes Werbung. Viral oder klassisch auf den Markt gebracht, spielt da keine Rolle. Und oft genug bin ich dankbar dafür, wenn ich im Lichtspielhaus sitze und mir plastisch vor Augen geführt wird, was da demnächst auf Großbildleinwand durch die Gegend flimmern wird. Nicht selten denke ich dabei nur stumm: Danke, wieder ein Machwerk, das ich mir nicht antun muss. Nachfolgend ein Beispiel, bei dem mir genau das so oder ähnlich durch die Hirnwindungen rauschte.

Boah, ey. Voll langweilig. Platterer SciFi geht wohl kaum. Allein schon der Titel. Avatar. Hallo, Telespiele gefällig? Dazu irgendwelche fantastisch anmutenden Flugobjekte, bei denen nur neue Animationstechnik den Eindruck vermittelt, sie wären nicht schon zu Zeiten von StarWars I – III durch die Stratosphäre gejagt. Das ganze gepaart mit wilden Bildschnitten. Blaue Indianer, die mit Pfeil und Bogen gegen die US-Kavalerie antreten. Gähn.

Durch einen Zufall bekam ich dann dieser Tage dank Twitter etwas anderes zu sehen.

Der gleiche Film. Aber hier offenbarte der Trailer mir ein ganz anderes Bild. Klar, die Handlung ist immer noch nicht wirklich neu. Hat man bei „Battle for Terra“ auch schon gesehen. Auch Tom Cruise gefiel sich in „Last Samurai“ in der Rolle des Überläufers, der mit der technisch unterlegenen, aber geistig moralisch auf einer höheren Ebeben stehenden Kultur paktiert. Meister James Cameron, sicher kein schlechter seiner Branche,  würde wohl auch  zugeben, dass da andere ihm in nicht gerade kleier Zahl schon zuvorgekommen sind. Und auch die literarische Figur des edlen Wilden ist nicht erst seit William Shakespeares „The Tempest“ („Act 5, I 183 – 184 “ O brave new world, that has such people in it“) und Aldous Huxley ein dauerhaft in der Literatur wiederkehrendes Motiv. Doch nur in der englischprachigen Vorschau erkennt man, dass es nicht nur ein langweiliges ScFi-Drama ist, sondern deutlich mehr Tiefgang besitzt.

Hier der Konfklikt des eigentlich im Rollstuhl gefesselten GIs (Sam Worthington alias Jake Sully), der als Querschnittsgelähmter Ex-Marine seine ursprüngliche Aufgabe im Leben verloren hat (0:24 – 0:32) und natürlich alles dafür tun würde, dass er wieder gehen kann (1:22 – 1:25) und folglich hochgradig in Versuchung geführt werden muss (1:51 – 2:09), die Grenzen normal-menschlichen Verhaltens zu überschreiten, nur um endlich wieder ein „vollständiger“ Mensch werden zu könne.  Da  ein Schuss knallharte Sozialkritik: es geht um Rohstoffe. Das Leben irgendwelcher Humanioden zählt angesichts handfester merkantilistischer Interessen (0.49 – 1:03) nichts.

Jakes Wandel vom Saulus zum Paulus (2:31), die – wie kann es anders seine – innige Zuneigung – zu der Eingeboren  Zoë Saldaña: alias Neytir) stürzen ihn in einen Zielkonflikt, in dem er sich am Ende – Gott seis getrommelt und gepfiffen – eigentlich für den American Dream (This is our land“, 3:11 -3:16) entscheidet.

Spannend alle mal. Technisch brillant. Und nebenbei wirkt ein Satz schon zu Beginn des US-Trailers im Nachhinein fein ironisch: „Ladies and Gentlemen, your are not in Kansas any more. You are on Pandora“ (0:33 –  0:40). Kansas? Da war doch mal was. „There is no place like home. There is no place like home.“

Briefe an unsere Follower #6

Dezember 02, 2009 von Peter Dessin abgelegt in: Geschrieben.

Die mit den Chips zicktMeine liebe Frau Textzicke,

wie Sie, wenn wohl auch nicht aus eigener Erfahrung, wissen, hat ja jeder so seine Tage, an denen er zwar der Sprache mächtig sein mag, nicht jedoch der Worte, um die Gedanken darin zu fassen.

Als ich einmal einen solchen Moment hatte, rieten Sie mir, die Schreibblockade mit einem Text über die Schreibblockade zu kurieren. Es hatte funktioniert, auch wenn ich  nicht ganz Ihrem Rat folgte und dann doch eher eigene, eigentümliche Träume vertextete. Den Anstoß dazu aber gaben Sie, und dafür möchte ich Ihnen von ganzem Herzen danken. (Und dass ich mitunter immer noch keine Worte finde für meine Gedanken oder keiner meiner Gedanken an meinem Text festhalten zu wollen scheint, stört mich seitdem weniger. Gut, dass wir darüber geredet haben, Du.)

Nun hatte ich vor einiger Zeit versprochen, Ihnen einen Brief zu schreiben. Was als einfaches Vorhaben so leicht daher geredet schien, wurde mit Abstand zu einer der schwierigsten Dinge der letzten Wochen. Wie sollte ich Ihrem Anspruch gerecht werden, wie dem meinen? Wo sollte ich Reibungspunkte finden, so Sie doch so auffällig gemeingefällig wurden?

Doch heute wurde es mir klar: Diese Reinheit, dieses Einssein mit den Aussagen anderer, dieses sich nicht mehr auf Teufel komm’ raus messen zu müssen – das ist Ihre neue Stärke. Und darum (ich gebe es nicht gern zu) beneide ich Sie ein kleines bisschen.

Ich hoffe, dass Sie so bleiben. Dass Sie unsere Timelines von vorne bis hinten füllen und mit Ihrem Charme und und Ihrem leicht anzüglichen Humor uns bis an unsere Grenzen führen. Ich hoffe, dass Ihnen niemals die Chuzpe ausgehen mag, das vermeintlich Normale auszusprechen:

Zustimmung ala Textzicke

Das sind Gedanken, die in Ihrer vermeintlichen Trivialität alles das ausdrücken, was keiner von uns zu sagen vermag. Äußerungen, die Ihre Gabe, das Unscheinbare offensichtlich zu machen, zu Tage treten lassen. Geehrte Zicke, ich vertraue Ihnen und Ihrem Gespür für die wahren Werte vollends.

In Treue: Ihr ergebenster

Wikipeter