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Archive for Januar, 2012

Die Muppets

Januar 19, 2012 von Manuela Brunner abgelegt in: Gesehen.

muppets_11_wideKönnt ihr es auch nicht mehr ertragen? Muppets hier, Muppets da. Seit letztem Sommer schon schwappt eine Welle der Vorfreude aus den USA zu uns herüber. „Irgendwann wurde mir klar, dass seit dem letzten Film eine ganze Generation Kinder herangewachsen ist, die keinen Muppets-Film im Kino gesehen hat“, erklärte Jason Segel im Interview zur Premiere des Films. Das habe er ändern wollen, und mit subtilen Druckmitteln haben er und sein Co-Autor Nicholas Stoller es tatsächlich geschafft: Thanksgiving 2011 endete die muppetlose Zeit.

Wie fast alles, was Kinder lieben, gehören die Muppets inzwischen zu Disney. Dass der Konzern es wie kein anderer versteht, ein wahres Merchandising-Feuerwerk um einen Film herum zu orchestrieren, ist hinreichend bekannt. Neu ist allerdings, dass dezidiert Erwachsene angesprochen werden: Ganze Makeup-Linien in Farbschattierungen wie „Warm and Fozzie“ oder ein Paar extra von Christian Louboutin für Miss Piggy entworfene Schuhe machen klar: Im Luxus-Segment lässt sich mindestens soviel Geld an den Muppets verdienen wie mit Bleistiftanspitzern und Brotdosen für die Kleinen.

Ist es jetzt also passiert? Sind die Muppets unserer Kindertage nur noch eine riesige Marketingmaschine? Taugen die alten, wuschligen Stoffpuppen überhaupt noch für das moderne Kino? Wirkt Kermit der Frosch neben der 3D-Animation von „Avatar“ nicht wie eine angestaubte Sockenpuppe?

Es gibt mehr als einen Moment, in dem der neue Film seinem Hype nicht gerecht wird. Manche Schauspieler können eben mit Puppen zusammen spielen, manche können es nicht. Oscargewinner Chris Cooper gehört leider zur zweiten Kategorie. Er spielt den bösen Öl-Magnaten Tex Richman, der es auf das alte Muppet-Studio abgesehen hat, weil er darunter Ölvorkommen wittert. Seine fiese Pläne sind nur abzuwenden, wenn die alte Truppe (mal wieder) eine letzte, große Show auf die Beine stellt, die genug Geld einspielt, damit die Muppets ihr geschichtsträchtiges Theater erhalten können. Musikeinlagen im Film sind schon an sich eine zweischneidige Sache: Manche stehen drauf, andere krümmen sich vor Schmerz, wenn eine Filmfigur unvermittelt in Gesang ausbricht. Coopers Hip-Hop-Nummer jedenfalls ist eine der peinlichsten Szenen des ganzen Films, eine blöde Anbiederei an das, was Produzenten so für den Geschmack des jungen Publikums halten. Ein paar weniger „meta-meta“-Witze hätten dem Drehbuch auch gut getan.

Aber all das ist am Ende nur kleinliche Krittelei. Der neue „Muppets“-Film ist wirklich so zauberhaft, wie es allerorten heißt. Jason Segel und Amy Adams sind absolut hinreißend, und ihre Musiknummern, besonders die Power-Ballade „Man or Muppet“, gelten als heiße Kandidaten für den Oscar 2012 in der Kategorie „Bester Song“. Nicht zu vergessen die zahlreichen Cameo-Auftritte aktueller Fernsehlieblinge wie Neil Patrick Harris aus „How I Met Your Mother“ oder John Krasinski aus „The Office“. Und wer jetzt noch nicht überzeugt ist: Als Vorfilm gibt es einen neuen Kurzfilm von Pixar, der im „Toy Story“-Universum spielt. Wenn das nicht reicht, um euch ins Kino zu locken, dann kann ich euch auch nicht helfen. Wer mag, kann sich den Hauptohrwurm „Life’s a Happy Song“ schon mal vorab anhören:

Die Muppets – USA 2011. Regie: James Bobin. Drehbuch: Jason Segel, Nicholas Stoller. Kamera: Don Burgess. Schnitt: James Thomas. Musik: Bret McKenzie, Christophe Beck. Produktion: Mandeville, Muppets Studio, Walt Disney.

Starttermin: 19. Januar 2012