spree:geflüster

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Archive for September, 2013

Sehnsucht

September 10, 2013 von Peter Dessin abgelegt in: Geschrieben.

Wenn wir in unsren Armen liegen

Den blonden Abend fest umschlingen

Die nackten Leiber wiegen wiegen …

Wie Geigen streichen. doch nicht klingen

 

Und nichts vergessen. alles fühlen

Komm. … hastig flüstern. wie besessen

Uns tiefer noch und tiefer wühlen

In Krämpfen winden. Atem pressen

 

In sonnenlosen Liebeskammern

Die aufgerissnen Lippen schürzen

Aufs Laken bluten. uns umklammern

Und keine Ruhe finden. brennen

 

Am Morgen ineinander stürzen

Bis auf den Grund. wenn wir uns trennen

 

Ich bin so schüchtern

September 10, 2013 von Peter Dessin abgelegt in: Geschrieben., GLitterarisches.

(Es gab drei Menschen, die mich aufforderten, diesen Text wiederholt zu lesen. Allein, ich war zu schüchtern dazu. Daher das Ganze jetzt in voller Länge, hier und zum selber Lesen.)

 

Ich bin so schüchtern

Wer mich liest, glaubt das vielleicht gar nicht.

Mehrere führende Psychiater mussten sich nach dem Versuch, mein Seelenleben zu renovieren, selbst in psychologische Behandlung begeben; so viele Hemmungen und Komplexe habe ich.

Ich muss mir immer erst lange und energisch zureden, wenn ich ein Haus betreten muss, in dem ich noch nie vorher gewesen war.

Das ist der Häuserkomplex.

Auch wenn ich auf ein Amt oder ähnliches komme, wenn ich da vor der Tür stehe, bevor ich dann … also am liebsten würde ich wieder … und so geht mir das jedes Mal.

Ich klopfe sogar vorsichtig an, bevor ich mein eigenes Zimmer betrete. Dann lasse ich mich erst eine Weile draußen warten, ehe ich zaghaft „Herein!“ rufe.

So schüchtern bin ich.

Noch schüchterner bin ich, wenn ich mit Frauen zusammen in einem Raum bin.

Obwohl ich sehr gern, bloß, …,  es ist immer wieder …

Ach, wie ich die Männer beneide, die mit energischem Gang und lässigen Gesten Mädchenherzen bezaubern und mit weltmännisch geistlosem Quatsch den Verstand der Damen benebeln.

Ich bringe es nie fertig, solch einen Unsinn zu reden.

Ich bin zu schüchtern.

Kürzlich musste ich zu einer Geburtstagsfeier. Viele Leute, wenig Menschen, viele Frauen. Besonders die Eine.

Sie sah mich an und lächelte. Ich schlug vor Schreck die Augen nieder und starrte auf ihr Dekolleté.

Männer umschwärmten sie. Männer mit Charakterköpfen, Männer von Bedeutung, Männer mit Weltniveau. Komplimente, Liebeserklärungen, Süßholz auf bitterem Reis.

Ich war zu schüchtern.

Nach dem Essen fand ich sie im Wintergarten, hinter Topfpalmen und Schlingpflanzen.

„Sie haben mir nicht ein einziges Kompliment gemacht“, schmollte sie.

„Ich bin so schüchtern“, stotterte ich, „aber wenn ich ein Maler wäre, wären Sie mein schönstes Modell.“

Sie wurde rot und verlegen und ich auch, und weil ich vor Verlegenheit keine Worte mehr fand, nahm ich sie in die Arme und küsste sie.

Tatsächlich!

Große, erschrockene Augen. „Das hat noch keiner bei mir gewagt!“

“Glaube ich“, gab ich zu, „andere sind ja auch nicht so schüchtern.“

Nach der Feier durfte ich sie nach Hause bringen.

Haustür. Abschied.

Ich mache mir nichts aus Tee, ich wollte nur nicht nein sagen. Zu schüchtern.

Sie ging ins Nebenzimmer und kam in einem Morgenmantel wieder. Obwohl es Abend war, störte mich das nicht. Sie setzte sich neben mich auf die Couch, die Beine angezogen, die Seide glitt zur Seite.

Natürlich hätte ich ihre Beine wieder zudecken können, ich traute mich nur nicht.

Sie wissen ja …

Sie lehnte sich weit zurück und seufzte leise. Vielleicht hatte sie ja Zahnschmerzen. Noch hätte ich ja gehen können, aber ich war zu schüchtern dazu. Außerdem lagen ihre Arme um meinen Hals.

Seit zwei Monaten sehen wir uns jeden Tag.

Ich glaube beinahe, sie mag mich.

Ich würde sie gerne mal fragen.

Aber ich bin zu schüchtern.