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Archive for März, 2015

Stinkefinger

März 21, 2015 von Peter Dessin abgelegt in: Geschrieben., Gesehen.

Manchmal braucht es seine Zeit, um auf aktuelle Phänomene zu reagieren. Schließlich will man sich ja eine eigene Meinung bilden, und die fahrenden Züge, auf die man so schnell aufspringen kann, könnten ja auch das verkehrte Ziel haben.

Manchmal braucht es auch eine Zeit, um zu begreifen, dass das Ursprungsthema, um das sich ein neues Phänomen kringelt, einfach zu lächerlich ist und man es daher vorher nicht ernst nehmen wollte.

Aber Anderes sollte man ernst nehmen. Man sollte die Auswirkungen, die sich mit der massiven Beschäftigung mit lächerlichen Kleinigkeiten (die lange zurück liegen und darüber hinaus noch aus dem Kontext gerissen werden) ernst nehmen. Man sollte sogar diejenigen, die sich Journalisten nennen und die sich schon des Öfteren durch massive Unkenntnis diskreditiert haben sollten, ernst nehmen, weil sie allein schon durch die mediale Reichweite direkt nach dem „Tatort“ von sehr, sehr vielen Menschen ernst genommen werden. Aber diese „Journalisten“ sollte man auch nicht zu ernst nehmen. Denn dann könnte Folgendes geschehen:

Man könnte einen Beitrag satirisch begleiten. Das ist gut, das sollte man sogar. Wenn man dabei einige Grundsätze beachtet:

Der satirische Beitrag sollte beitragen, dem Leser/Zuschauer ein erkennendes Lächeln auf das Gesicht zu zaubern. Er sollte helfen, durch Übertreibung, Umkehrung und viel Humor die Wahrheit ans Licht zu bringen. Dann, und erst dann, gilt Tuchos Satz:

„Was darf die Satire? Alles.“

Nehmen wir nun einmal an, ein junger, selbstverliebter Möchtegernsatiriker verwechselt Witz mit Humor und darf das auf einem öffentlich-rechtlichen Spartensender und lobenswerter Weise auch im Internet ausleben. Was passiert dann?

Er wird ernst genommen. Das ist aber problematisch, denn ein Satiriker will nicht ernst genommen werden, er will vor Allem verstanden werden. Wenn aber hinter dem vermeintlich satirischen Beitrag nichts ist, was verstanden werden soll, dann ist es nur ein billiger Witz. Und, das kennen wir alle, nicht über jeden Witz wird gelacht.

Was geschieht noch? Der Witz wird weiter erzählt. Er wird kommentiert, dementiert, in veränderter Form wiederholt und danach wird diese Wiederholung dementiert. Irgendwann weiß niemand mehr, was der Ursprung des Witzes war.

„Und halb Deutschland sitzt auf dem Sofa und nimmt übel.“

Was aber passierte noch? Was geschah, um mich aus der Sofaecke zu locken und hier einen Rant loszulassen?

Es ist ganz einfach: Nichts.

Spiegel, die SZ, Twitter- und Facebook-User überschlagen sich mit Meinungen zu dem vermeintlichen Satiregate und überstrahlen damit alle relevanten Meldungen. Das Anliegen, das der Stinkefingermensch in seiner eigenen überheblichen Art zu vermitteln versucht, gelangt ins Hintertreffen, genau wie die Versuche unserer Regierung in der ihr eigenen überheblichen Art, möglichst billig möglichst viel zu erreichen. Nichts davon erreicht den, der sich tagelang über einen Fingerfake Gedanken macht.

Was bleibt, ist die Frage nach der Echtheit eines Stinkefingers.

Glaubt mir, der, den ich allen Medien zeige, ist echt.