spree:geflüster

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Briefe an unsere Follower #6

Dezember 02, 2009 von Peter Dessin abgelegt in: Geschrieben.

Die mit den Chips zicktMeine liebe Frau Textzicke,

wie Sie, wenn wohl auch nicht aus eigener Erfahrung, wissen, hat ja jeder so seine Tage, an denen er zwar der Sprache mächtig sein mag, nicht jedoch der Worte, um die Gedanken darin zu fassen.

Als ich einmal einen solchen Moment hatte, rieten Sie mir, die Schreibblockade mit einem Text über die Schreibblockade zu kurieren. Es hatte funktioniert, auch wenn ich  nicht ganz Ihrem Rat folgte und dann doch eher eigene, eigentümliche Träume vertextete. Den Anstoß dazu aber gaben Sie, und dafür möchte ich Ihnen von ganzem Herzen danken. (Und dass ich mitunter immer noch keine Worte finde für meine Gedanken oder keiner meiner Gedanken an meinem Text festhalten zu wollen scheint, stört mich seitdem weniger. Gut, dass wir darüber geredet haben, Du.)

Nun hatte ich vor einiger Zeit versprochen, Ihnen einen Brief zu schreiben. Was als einfaches Vorhaben so leicht daher geredet schien, wurde mit Abstand zu einer der schwierigsten Dinge der letzten Wochen. Wie sollte ich Ihrem Anspruch gerecht werden, wie dem meinen? Wo sollte ich Reibungspunkte finden, so Sie doch so auffällig gemeingefällig wurden?

Doch heute wurde es mir klar: Diese Reinheit, dieses Einssein mit den Aussagen anderer, dieses sich nicht mehr auf Teufel komm’ raus messen zu müssen – das ist Ihre neue Stärke. Und darum (ich gebe es nicht gern zu) beneide ich Sie ein kleines bisschen.

Ich hoffe, dass Sie so bleiben. Dass Sie unsere Timelines von vorne bis hinten füllen und mit Ihrem Charme und und Ihrem leicht anzüglichen Humor uns bis an unsere Grenzen führen. Ich hoffe, dass Ihnen niemals die Chuzpe ausgehen mag, das vermeintlich Normale auszusprechen:

Zustimmung ala Textzicke

Das sind Gedanken, die in Ihrer vermeintlichen Trivialität alles das ausdrücken, was keiner von uns zu sagen vermag. Äußerungen, die Ihre Gabe, das Unscheinbare offensichtlich zu machen, zu Tage treten lassen. Geehrte Zicke, ich vertraue Ihnen und Ihrem Gespür für die wahren Werte vollends.

In Treue: Ihr ergebenster

Wikipeter

Briefe an unsere Follower #5

Oktober 08, 2009 von Peter Dessin abgelegt in: Gebrieftes., Gelesen.

aus_polaroid

Sehr geehrter Herr Fitz! Oder, wie Sie es ja lieber mögen:
Sehr geehrter Herr Tauben-@Vergraemer!

Eigentlich wollte ich Ihnen ja keinen dieser Briefe schreiben, keinen dieser – Sie wissen ja – “ich-biedere-mich-bei-meinen-Followern-an-Briefen” – aber der heutige Umstand ist ein Besonderer.

Wie es Ihnen, Herr Fitz, und auch Ihrer mittlerweile sicher selbständig lesenden und schreibenden Timeline sicher nicht entgangen sein sollte, habe ich mich unlängst, um genauer zu sein: vor nicht einmal ein paar Stunden, mich eines Ihrer Gedanken bedient, um mich daran zu ergötzen.

Doch damit nicht genug! Es reichte mir nicht, Ihnen ein kleines gelbes Sternchen ans Revers zu heften, nein! Ich trub trieb es noch weiter! Ich führte diesen, Ihren, Gedankengang hinaus zu meiner ganz eigenen Wahrnehmung. Während Sie noch schmollend im heimeligen Wohnzimmer lagen, sich unter Teppichen einrollten und versuchten, Quichotte-like den Kampf mit windmühlenflügelgleich ausgestatteten Insekten, die wir hier der Einfachheit “Mücken” nennen wollen, aufzunehmen, tröteten Sie einen Kampfschrei hinaus ins Weite, den wir Eingeweihte ungleich als Hilferuf erkennen konnten:

Pöbel1

Ja ja, Herr Vergrämer, “ist Ihnen lieber”…! Da lachen ja die Hühner, die Mücken und die Kängurus gleichzeitig! Sie, die Sie sich in in Ihrer perfiden Art summend neben Mücken setzen, um diese am verdienten Verdauungsnachtschlaf zu hindern?

Nichtsdestotrotz, mein Lieber, schreibe ich Ihnen ja jetzt, weil ich nicht nur Ihr Treiben, das der Mücken und – ja – das der Kängurus durchschaut zu meinen glaubte. Zumal ein ähnliches Erlebnis mich zeitnah heimsuchte.

Pöbel2

Und da hätten wir sie: Die ewig währende Kausalität zweier grundverschiedener Individuen – der Pöbeler hier, der summende Charmeur dort.

Da Sie aber (wie wäre es anders zu erwarten gewesen) meinem ewig summendem Geist und pöbelndem Charme nicht aus dem Geist gingen, blieb es wohl nicht aus, Ihrer Mücke und meinem Känguru noch eine Referenz zu erweisen:

Pöbel3

So haben Sie, die Mücke, das Känguru und ich auf immer eine Ruhe gefunden und ewige Freundschaft geschlossen. Oder so.

Und Sie, Herr ehrenwerter Dr. Verfitz, sind alsobald zu einer Muse geworden. Zu meiner.

Gehaben Sie sich wohl.


Briefe an unsere Follower #4

September 27, 2009 von Peter Dessin abgelegt in: Gebrieftes., Gelesen.

ApfelEva Liebe Frau @Apfelmuse,

was habe ich nur getan? Was geschrieben, gesagt oder auch nicht geschrieben oder nicht gesagt, das Sie dazu ermunterte, mich zu verlassen?

Ich weiß es nicht. Vielleicht will ich es auch gar nicht wissen. Sollte die Augen schließen und mein einsames Herz in den Schlaf greinen. Selbstbemitleidend, den Blick gesenkt, mit schlurfendem Gang auf dem Friedhof der verlorenen Follower streunend wie ein kastrierter Kater, sehe ich nun keine Zukunft mehr für mich, ach was sag ich! Für uns! Aus. Vorbei. Hach.

Es bleibt mir also nur, Ihnen hinterher zu winken, das weiße Spitzentüchlein der Resignation in den Händen, das kaum all die Tränen auffangen kann.

Adieu, mon cher.

Nichts
ist leerer
als ein Baum
ohne Spatzen.

So weinen
meine Hände
nachdem du
flügge
geworden bist.

(SAID in: “Wo ich sterbe ist meine Fremde”)

 

P.S. Ihrer subtilen Nase wird nicht entgangen sein, dass dieser auf feinstem Bütten gebettete Brief als würzigen Zusatz eine Note von Old Spice enthält. Möge dieses Aroma immerwährend bei Ihnen sein.

Briefe an unsere Follower #3

September 21, 2009 von Bunki abgelegt in: Gebrieftes., Gelesen.

frank_l Keine Regel, die nicht danach schreit, durchbrochen zu werden. Und so fange ich bei meinem ersten Brief an meine Verfolger gleich mal damit an, etwas zu missachten. Genaugenommen müsste dieser Brief jetzt "Brief an einen Verfolgten" heißen. Denn folgen tust du mir nicht. Das ist aber auch nicht weiter schlimm. Mir genügt zu wissen, dass du da bist. Ja, es geht um dich, Frank93.

Wie oft erfreutest du mein Herz mit deinen vorwitzigen Tweets, zaubertest mit deinen um die Ecke gedachten Gedanken ein selig Lächeln auf meine Lippen. Gierig erwartete ich immer schon deine nächste Botschaft, kaum dass der PC hochgefahren. Sie kam so sicher wie das Amen in der Kirche.

 

gangbang

Doch neuerdings bist du stumm. Du schweigst. Bist inaktiv. Was ist passiert? Habe ich gefehlt? Dich verärgert? Womöglich deine versteckten Hinweise nicht verstanden?

 

wetter

Da hast du es ja gesagt. Alles hat ein Ende, wenn man mal von der Wurst absieht. Ich hätte früher darauf kommen können, dass du dich aus der Welt der Twitteraner zurück zu ziehen gedachtest.  Es stand ja da, blau auf weiß. Doch der Sinn der Botschaft músste ja nur ergründet werden.  Und wie immer hast du dein "Fare well"  auf deine eigene Art gemacht. Versteckt durch die Blume sozusagen.  Liebe und Wetter, manch einer mag auch noch Steuern anfügen wollen, sind beständig. Das Tweeten nicht. Schade. Vermisst wirst du trotzdem.

Briefe an unsere Follower #2

September 21, 2009 von Peter Dessin abgelegt in: Gebrieftes., Gelesen.

Guten Morgen, liebe @LorettaLametta!

LorettaLametta-7wuerfel_normal

Ich habe keine Ahnung, wie Du das machst: Während ich mich müde ins Bett hinein schleppe, wahlweise auch noch auf der Arbeit so vor mich hin dümpele, begrüßt mich Dein gewürfeltes, gesichtsloses Twitter-Ich bereits fröhlich mit … wie sag’ ich’s nur? … mit Sätzen, die ich als Berliner nicht verstehe.

Und da ich weiß, dass Du seit kurzem auch in Berlin wohnst: Glaubst Du wirklich, Du kannst mit solchen Fragen hier überwintern?

LL1

Wie jetzt? Früchtebrot? Hutzelbrot? Birnbrot gar? Was, liebe Cara, ist das? Und müssen wir das alles hier haben? Können wir uns nicht auf Misch-, Schwarz-, Weiß- und vielleicht noch auf Rosinenbrot reduzieren? Nee, können wir nicht. Ich weiß, und Du weißt, dass ich weiß, und letztlich bin ich ja auch dankbar dafür. Aber ehrlich: Birnbrot?….

Zu allem Überdruss bringst Du das Ich-kann-nicht-verstehen-was-all-diese-Leute-sagen–Fass fast zum Überlaufen, wenn Du öffentlich (falls man Twitter als Öffentlichkeit begreifen möchte), also wenn Du öffentlich in einer nur Eingeweihten zugänglichen Mundart solches zum Besten gibst:

LL2

Zum Glück wohnen Anverwandte von mir im Südwesten. Da war Hilfe beim Übersetzen nicht weit. So macht sich das quasi von allein, man muss nur ein bißchen warten.

Vielleicht so, wie ich warte. Darauf, dass Du einmal einen Tweet in meiner lässigen Berliner Mundart auf die Welt loslässt, so in der Art:

Kieke mal, damit hatta nu wirklich nich jerechnet.

Und nein, damit rechne ich nicht wirklich. Denn letztlich mag ich Dich ja genau so, wie ich Dich lese.

Dein Dich liebender @wikipeter