spree:geflüster

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Briefe an unsere Follower #8

Januar 21, 2010 von Bunki abgelegt in: Gebrieftes., Geschrieben., Getwittertes.

Traditionen und Regeln sind ja dazu da, durchbrochen zu werden. Macht erstens Spaß. Wer wiegelt nicht gern gegen die Obrigkeit. Und sei es auf! Und zweitens haben wir die Regeln auf Spreegeflüster ja selber aufgestellt. Also nichts leichter, als sie bei Bedarf zu brechen. Oder sagen wir mal, den notwendigen Realitäten anzupassen. Lebende Regeln also, nicht dumpfe Vorschriften. Ergo geht dieser Brief nicht an einen unserer Verfolger. Sondern gleich an mehrere. Und wem der Schuh passt, der ziehe ihn sich an. ;-) Denn ich erhebe dabei beileibe keinen Anspruch auf Vollständigkeit in irgendeiner Art.

Worum es geht? Darum: Alles @saschalobo, oder was! Dieses Eindrucks konnte man sich gestern kaum erwehren, wenn man den Fehler gemacht haben sollte, seiner Timeline ein klein wenig mehr Aufmerksamkeit zu schenken, als vielleicht Körper, Geist und Sehorganen zuträglich war.  Wo man auch schaute, was man auch tat, auf Tritt und Schritt verfolgte einen ein allseits bekannter Iro. Doch eben nicht da, wo er hingehört,  sondern da, wo man ihn nie vermutet hätte. So wie hier:

Oder dort:

Manch einer hat ja dann auch noch versucht, ganz dreist seine Spur zu verwischen. Aber Papier ist geduldig und das Netz unerbittlich. Es vergisst nichts (für Freunde der Berliner Zunge: nüscht)!  Kuckst du hier! Ja, erwischt. Auch du mein Sohn, Brutus, äh meine Tochter @Lana74! Ja, auch du! ;-) Tu quoqoe, mea filia!

Am Anfang stand heute nicht also mal nicht das feingeschliffene Wort, die Macht desselbigen im Twitterlande oder gar ein allseits beliebtes Meme, sondern schlicht der Jux an der Tollerei. Aus einem unschuldig daher kommenden Avatartausch mehrerer Twitterer und Twitteratis wurde es dann phasenweise voll loboesk. Einfachste Netz-Plultimikation eben!

Begonnnen hatte es in der Kanzlei von @andreasposer, der… Ach was, lassen wir es ihn doch selber sagen:

“Begonnen hatte es damit, dass mich @jumac12 in meiner Kanzlei besucht hatte und wir mit ihr mein Profilbild nachstellten. Das Bild von ihr hatte ich heute einfach in meinem Account als Profilbild genommen. Das führte zu einer witzigen Verwirrung. @wimbauer hat dann ein, Bild von @saschalobo genommen und gemeint, er finde Avatarwechsel albern. Das haben dann andere übernommen! :-).”

Ein sich verselbständigender Witz also.  Nicht unüblich im Königreiche Twitter.

Man mag ja stehen zu ihm, wie man will. Ne, nicht @andreasposer. Lobo natürlich! Der ist ein äußerst geschickter Vermarkter seiner selbst. Was absolut legitim ist, auch wenn bei manch einem da manchmal etwas Neid aufzukommen scheint. Nicht umsonst wurde in feiner Ironie angesichts einer jüngeren Kampagne eines Mobilfunkunternehmens mit unserem Vorzeigeblogger darüber gewitzelt, jetzt mache Vodafone ja auch schon Werbung für @saschalobo!

Und es war beileibe nicht das erste Mal in den letzten Wochen, dass das Konterfei uns im Spree-Athen mannigfaltig entgegenblitzte. Das Stadtmagazin Tip hatte nicht besseres zu tun, als sein alljährliches Subjektiv-Ranking der 100 peinlichsten Berliner eben mit Lobos stadtbekanntem Antlitz  als kaufwürdig  anzupreisen.

Was neben dem altbekannten Spruch “Viel Feind, viel Ehr” in erster Linie für den Geschmähten spricht und, quasi nebenbei, die für den Tip etwas peinliche Frage aufwirft, ob er seiner gar getreuen Leserschaft  (und  die gehört ja eher nicht zu der werbeunrelevanten Zielgruppe der Ü50-Jährigen) seine gekürte Nr. 1, Thilo Sarazzin, nicht zumuten mochte. Hallo, kein Poltikverständis vorhanden? Zu unbekannt der Mann, oder was?

Mit anderen Worten, man traute seiner eigenen Einstufung nicht wirklich über den Weg! Hätte wohl eher kaufabschreckende Wirkung gehabt als einen Erwerbsanreiz geboten. Nein,  sie warben mit ihrer Nr. 7, der den nun eher weniger beliebten Blog-Vorzeiger Nr. 1, Kai Diekmann, deutlichst auf die Plätze verwies. Warum auch immer.  Die Blogwurst hätten sie sich dabei aber sparen könne. Plump! Mehr nicht. Wobei man den Herren Schreiberlingen dort als Tipp nur noch die alten chinesische Weisheit vorhalten möchte: Beleidigungen entehren nur den, der sie ausspricht.

Die generelle Fragestellung des Tages kam dann auch von  Heidi K. aka @__k____:

Könnte vergebliche Liebesmüh sein, denke ich.  Denn dass @saschalobo selber einen sehr feinen Sinn für Ironie besitzt, hatte er ja schon oft genug bewiesen. Was sein Markenzeichen angeht, für mich am schönsten bei nachfolgendem Beispiel.

Schließen wir uns also den wohlfeilen Worten mit einer Frage an: Sind wir nicht alle ein bisschen @saschalobo?

Du hast keine Wahl

September 03, 2009 von Bunki abgelegt in: Gefunden., Gesehen.

Es herbstet. Aber so was von. Nun gut, Mutter Natur in Gänze hat das noch nicht so ganz mitbekommen, wenn man die Temperaturen der letzten Tage so betrachtet. Erst heute gab sie sich einen regennassen Stoß. Aber die wahren Zeichen der Zeit sind seit Wochen schon unübersehbar. Bunt sind schon die Schilderwälder. Allerorten springt es dich an. Es ist Herbst. Und der Wahlkampf beginnt (tobt/läuft/langweilt/weitere Beschreibungen ihrer Wahl)

Keine Allee ist vor ihnen sicher. Keine Straße gefeit. Kein Strauch zu hoch, kein Baum zu dicht. In schrillen Farben und markigen Botschaften traktieren sie unser Hirn. Wenn sie plakatieren Seit an Seit.

Und wie immer kommt es dann zu den üblichen Verunzierungen zahlreicher Werbebotschaften. Ich will mich auch gar nicht groß über den Sinn und Unsinn verschiedener Gesichtsinterpretationen beim zum wählenden Volk aufhalten.  Meist langweilen sie nur. Oder über die Sinnhaftigkeit der Farbbeutelwürfe nachdenken, was schlicht an das Reviermarkierungsverhalten junger Welpen erinnert. Und doch fiel mir etwas dabei ins Auge:

Wahlplakate 004

Wahlboykott. Schreiend rot. Geht nicht zu den Urnen, tönen sie in die Welt hinaus. Und, man glaubt es kaum, sie scheinen damit nicht allein. Doch, doch.

Lobo1Doch anders als bei unserem Vorzeige-Twitteraner, für den neuerdings sogar Vodafone munter Werbung macht, scheinen es die Wahlplakatbeschmierer mit ihrem Aufruf durchaus ernst zu meinen. Was völlig Unsinn ist. Cui bono, möchte man ihnen entgegen rufen. So sie denn überhaupt an einem Dialog und nicht an einer Selbstdarstellungsform interessiert sind. Wem soll das nützen, wenn man am 27. September nicht zur Wahl geht?

Was geschähe denn wirklich, wenn alle Welt dem Aufruf Folge leisten würde? Glaubt ihr, die Wahl wäre ungültig, weil sie an der 5%-Hürde scheitert? Oder dass die so gar wenig Gekürten es sich zu Herzen nehmen würden?

Das Gegenteil steht zu befürchten. Wer miterlebt hat, wie  nach dem Super Sunday in Sachsen, Sachsens Anhalt und dem Lande Saar überall nur Sieger zu geben schien, muss sich darauf einstellen, dass die windige findige Politik ein solches öffentliches Desaster auch in einen Erfolg umzumünzen wüsste. Munter würden die Pfründe und Mandate unter sich verteilt, auch wenn nur 4,9% der Bevölkerung ihr Kreuz gemacht hätte.

Sie würden so ein Ergebnis als klaren Sieg der Demokratie deuten. Dass sich nämlich auch Minderheiten politisch durchsetzen können, so sie den nur engagiert genug sind …