spree:geflüster

Gesehen. Gehört. Gelesen. Gefunden. Geschrieben.
Subscribe

Tittentanz

November 23, 2009 von Bunki abgelegt in: Gehört., Gesehen.

Kreuzberg, Sonntagnacht. „Tittentanz im Spitzenschlüpfer – Berlins erste Lesung zum Ankieken.“ Lassen wir die obligatorische Verspätung mal außen vor, cum tempore, die ist ja noch zu ertragen. Zumal mancher es am Eingang auch mitgeteilt bekam. Und ich will mich jetzt auch nicht groß darüber aufregen, dass Verspätungen kein Ausdruck von Individualität sind, sondern mittlerweile ein Massenphänomen selbsterklärter Avantgarde oder digitaler Boheme oder was sich dafür hält. Kommen wir gleich zum Kern: Ein wenig mehr Spitzen, etwas weniger nur Schlüpfriges hätten dem Abend auch nicht schlecht getan. Es fehlt die leichte Note, die dem ein oder anderen ein kopfnickendes Schmunzeln, eine ironische Selbstreflexion hervorgelockt hätte. Hätte hervorlocken können. Brachiale Schenkelklopfer sollten die schönste Sache der Welt von ihrer komischen Seite beleuchten. Und brachten doch nur ein mehr oder weniger von oben herab durchscheinendes Weltbild, dass Männer als dumpfe, schwanzfixierte Toren betrachtet.

Über die Auswahl der Texte lässt sich auch streiten. Bisschen viel Pennälerhumor gepaart mit Fäkalerotik. Erinnerte doch stark an eine Schulabschlussfeier nach bestandenem Abitur. Ob Philip Roths Phantasien über die Masturbationsprobleme eines 13jährigen wirklich witzig sind beispielsweise. Über den Mangel an weiblicher Note aber nun nicht. Einseitig auf Ejakulationsgelüste fixiert sprach ein Großteil der Texte über die Häfte der Zuhör-Seherschaft wenig an. Zudem waren beispielsweise Pointen wie bei Altmeister Charles Bukowski so vorhersehbar, als hätte man als Freshman einen Kurs für die Kunst  des Schreibens am College belegt. Unterhaltend war das also weniger.

matratzen 003

Angelika

Ein überraschender Höhepunkt war allerdings die Geschichte eines BWLer-Pärchens, dessen dahinsiechende Beziehung betriebswirtschftlich einleuchtend analysiert wird. Da kam auch der weibliche Teil des Publikums im Festsaal Kreuzberg auf seine Kosten.

Ein weiterer Pluspunkt: die ruhige, sanfte Stimme des vorlesenden Trini Trimpop. Optisch an Hugen Egon Balder erinnernd, wie er dort in seinem Ohrensessel thronte und als Alt-Punkstar mit einer gewissen weltläufigen Gelassenheit vortrug. Moderatorin Anna Lege hatte ihre Anfangsnervosität zum Glück auch schnell abgelegt. Wenn sie sich künftig noch in der Kunst des freien Vortrages übt und nicht vom A4-Blatt abliest, und so viele Sachen musste sie nicht ansagen, könnte das noch besser gefallen.

Die burlesken Tanzeinlagen der “The Teaserettes” hatten den Charme einer Selbstfindungsgruppe beim frisch einstudierten Ausdruckstanz. Immerhin: Überall Figur, genau an der richtigen Stelle. Wenn man es mag. Ihrem selbsternannten Anspruch, weg von oberflächlichem Klischeedenken zu agieren, wurden sie aber weniger gerecht. Und das alles noch für 15 Euro. Hätte man sich sparen können.

Dessous in der City

September 14, 2009 von Bunki abgelegt in: Gefunden., Gesehen.

WeinunBlumen

Berlin ist eine umtriebige Stadt. Und eine mit einer hohen Zahl von Erwerbslosen, wie es im Amtsdeutsch so schön heißt. Mit 14,4% ist die Spreemetropole sogar bundesweit Spitzenreiter. Leider.

Vielfach und gerne wird ja da der Gang in die Selbstständigkeit als großer Ausweg propagiert. Und so feiern an allen Ecken und Enden neue Läden, Büros und Büdchen in den Kiezen ihre Geburt (schließen wenig später auch oft, aber das ist diesmal nicht meine Geschichte und soll daher ein ander Mal erzählt werden.).

Uns Friedrichshain ist da ja keine Ausnahme. Wie Pilze schießen die Läden aus den Böden. Man kann sie förmlich über Nacht wachsen sehen. In meiner Nachbarschaft eröffnete jüngst ein Weinladen und löste damit einen Alice-Shop, ein undefinierbares Etwas und ein Teakholz-Möbel-Geschäft als seine kurzlebigen Vorgänger ab. Mögen sie alle in Frieden ruhen.

Doch was ist ein Laden, der sich auf etwas spezialisert hat, in der heutigen Krisenwelt, wert? Manch gute Geschäftsidee scheiterte früh. Mehrgleisig fahren. Multitasking ist das neue Twitter. Warum nur eine singuläre Geschäftsidee verfolgen, wenn man zwei miteinander kombinieren kann?

Manchmal führt das zu recht seltsam anmutenden Kombinationen. Der oben bildlich aufgeführte Drittel-Mix leuchtet mir noch ein. Für Blumen braucht’s Übertöpfe oder Gegenstände ihrer Wahl zum Verwahren. Und wenn man schon auf dem Weg zur Liebsten ist (okay, heutzutage im Zeitalter der Entfrauzipation liefern wir die politisch korrekte Version natürlich gleich mit: auf dem Weg zu seinem Liebsten), warum das Ich-gedenke-deiner-Sträußchen nicht noch mit einer guten Flasche Roten abrunden? Da kann man dann echt im Blütenrausch der Sinne  im weiteren Verlauf des Abends aufgehen.

Was aber nun, geneigter Leser, sollte ich damit anfangen?

Essen&Geschäft 003

Spitzen & Spätzle? Dessous und schwäbische Spezialitäten? Wtf? Soll ich die Teigwaren in den Spitzenhöschen einwicklen, oder was`Wie kommt man denn auf so etwas?

Meinem verehrten Mitbetreiber des Blogs leuchtete das schon ein:  “Es gibt doch zwei Arten, die Zuneigung eines Mannes zu gewinnen. Durch den Magen und durch Sex.”

Hm, ja, mag ja sein. Klang mir aber zu sehr nach den klassischen drei großen K: Kinder, Küche, Kirche. Hättest du wohl gerne, was? Erst dem Manne ein Leckerli bereiten und dann danach sich aufreizend zwecks anschließender Vernaschung präsentieren? Tschuldigung, ich bin da von anderem Kaliber. Nicht so sexistisch veranlagt.

Erstens, kann ich selber kochen. Zweitens, kommt es doch wohl auf die inneren Werte an, oder? Nein, ich bleibe dabei, der Laden ist ein totgeborenes Kind. Diese Kombi geht ja gar nicht. Obwohl, halt, wie war doch gleich der Spruch: Nach dem Essen soll man Rauchen oder eine …

Und warum bekomme ich auf einmal so mächtig Appetit auf schwäbische Spezialiäten? Tschuldigung, ich muss mal kurz weg.