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Bring(t) mich zum Rasen

August 02, 2014 von Bunki abgelegt in: Gelesen., Geschrieben.

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Ich mag keine kleinen Kinder. Nicht mal mit Speck und Zwiebelchen. Und Bücher über Fußball schon gar nicht. Sicher, ich hab ein paar davon. Aber alles mehr oder weniger Zufallsprodukte. Fußball findet auf dem grünen Rasen statt. Meinethalben auch auf den Rängen oder in den Gazetten. ersatzweise im TV, wenn der Weg zum Stadion zu weit ist und man daher nur die Bidlschirme anbrüllen kann.  Und ja doch, ich schreib selber darüber. Dennoch mag ich Fußballbücher nicht.

 

Und nun sitze ich vor etwas, was diese beiden Themen vereint. Sie zu einer untrennbaren Einheit verwebt. Verwobt würde die Autorin wohl in ihrem als Stilmittel recht gern gepflegten Ostbrandenburgisch sagen. Stefanie Fiebrig aka @rudelbildung, für mich aber immer noch „La Lamm“ (so steht sie weiter in meinem Mobilfunkverzeichnis), hat es geschafft, mein Interesse zu wecken mit zwei Themen, die mich so gar nicht reizen – Kinder und Fußball. Ausnahmsweise nicht wordgepresst, sondern zwischen ein paar Pappdeckeln in schönstem Stadiongrün. Und mit einem treffenden Titel: Bring mich zum Rasen.

 

Der allein hat es ja schon in sich. Ist da das substantivierte Verb gemeint? Oder soll mich jemand zum Ort des Spielgeschehens geleiten? Auch hier steht zwei für eins. Steffi parliert munter vor sich hin. Nimmt uns mit auf eine beschauliche Reise, die wir gar nicht beenden wollen. Sie beschreibt ihre Liebe zum runden Leder, einst erwacht aus Liebe zu Menschen. Aus Momenten, in denen sie Authentizität einfangen wollte durch das Objektiv ihrer Kamera.

 

Locker flockig erzählt sie von ihrer Zuneigung zu Trikots und Farben. Und amüsiert sich selber über ihre eigene Unzulänglichkeit, das Trikot eines abgewanderten Fußballgottes adäquat ausfüllen zu können. Allein diese Passagen weckten ein ambivalentes Gefühl in mir. War es doch meine Wenigkeit, die ihr einst das Leibchens unseres ewigen Torwartes unserer Herzen verschafft hatte. Jan Glinker bleibt unsere Nummer 1, ungeachtet der Tatsache, dass er derzeit nicht mal bei einem Viertligisten seiner liebsten Berufsbeschäftigung nachgehen darf. Mit sehr viel Wehmut nahm ich daher einst zu Kenntnis, dass sie Avatar bei Twitter geändert hatte. Nicht mehr die die Rückenansicht besagten Leibchens zierte es, sondern ein wohlfeil gezeichnetes Selbstportrait. Ein Gelungenes muss ich sogar sagen. Denn wunderbar malen kann sie neben „schreiben“ auch, auch wenn sie in „Bring mich zum Rasen“ behauptet, dass sie so vieles nicht könne.

 

Dieses Buch liefert keine Ergebnisse, keine tiefschürfenden Analysen oder Hintergrundberichte. Es erhebt auch nicht den Anspruch, von Fußball Ahnung zu haben.  Es lebt von seinen Gefühlen und von seiner  Leidenschaft. Von den Geschichten über Menschen und den Geschichten, die die Autorin über sich preisgibt. Beispielsweise  von dem Testspiel, bei dem sie sich ihren Göttergatten geangelt hat und von dem sie heute nicht einmal mehr das Ergebnis weiß. Was wir hiermit ihr nachreichen: 2:1 ging’s aus im schönen Schöneiche an einem kalten End-Januar-Nachmittag des Jahres 2009. 2:1. Aber nicht für die Guten! Auch wenn da bei denen zahlreiche der ehemals Guten sich tummelten.

 

Diese Anekdoten mach „Bring mich zum Rasen“ lesenswert. Diese ungewohnte Perspektive, eine völlig andere Art des Draufschauens. Es ist ein Muss für Freunde des runden Leders. Egal welche Farben sie tragen. Weil es die Liebe zum seinem Klub nicht verbirgt oder mit großem Sendungsbewusstsein brutal vor sich herträgt. Es ist zeitlos quasi stellvertretend für alle Fans und ihre Fanwerdung. Und es hält überraschende Momente bereit.

 

Denn mal ehrlich, wer käme schon auf den Gedanke ein zweites Mal zu besingen? Nur Erbsensuppe wird aufgewärmt besser. Doch Steffi schon. Sie tut das .mit eiern Nonchalance, als würde sie mal eben in den Garten flip-floppen, um Gartenkräuter für das Abendbrot einzusammeln. So „schrub“ sie über das zweite Derby im Olympiastadion, nicht über jeden Abend im Februar 2010, an dem John-Jairo Mosquera, Torsten Mattuschka und  Torsteher Maikel Aerts – letzterer eigentlich auf der anderen Seite, aber dank seiner Mithilfe doch für einen Moment auf der Seite der Guten – unsterblich wurden.

Es ist nicht alles nur lustig. Manche Kapitel stimmen einen sehr nachdenklich. Und Melancholie tritt auf. Aber auch das ist großes Kino. Weil Steffi wieder wunderbar mit unserer Gefühlswelt spielt.

Und jetzt sitze ich hier und schreibe über etwas, was ich noch nicht mal zur Gänze kenne. Denn nach den ersten 30 Seiten hatte es mich schon so gepackt, dass ich eine Elegie darauf verfassen musste. Und die Gefahr, auf den folgenden Seiten enttäuscht zu werden, erachte ich als gering. Ich kenne Rudelbildungs Stil aus dem Stadtteilmagazin Maulbeerblatt oder ihrem Blog Textilvergehen, in dem sie sich leider in letzter Zeit viel zu wenig produziert. Und wenn nur durch Bilder  oder als Randgelächter bei den stets überlang daherkommenden Podcasts. Wenn es mir nicht weiter gefallen sollte, bin ich selber schuld. Das wäre so, als ob ich nach einem perfekten Date am Abend der jungen Dame leider sagen muss, es liegt an mir, nicht an ihr.

 

Und nun entschuldigen Sie mich bitte. Ich muss aufhören. Da warten noch rund 190 weitere Seiten auf mich.

 

Vergiss mein nicht …

April 03, 2014 von Bunki abgelegt in: Gebrieftes., Gefunden., Geschrieben., Getwittertes.

Schreib mal wieder, möchte man seinen geneigten Lesern zurufen. Und weiß schon im Voraus, dass die Antworten geballt und geharnischt daherkommen werden. Was glaubst du, was wir machen? Wir bloggen, wir facebooken (obwohl das manch einer nicht ganz zu Unrecht nicht als schreibende Tätigkeit ansieht), wir simmsen, whatsappen (hysterisch zunehmend weniger) und wir twittern. Langt das nicht an Geschreibsel? Wir schaffen doch sonst kaum etwas anderes noch.

Ja, doch, werte Mitliteraten. Darum geht es mir nicht. Es geht einfach und ausnahmsweise nicht um das Füllen von beliebig (fast überall) bis bis begrenztem 140-Zeichen-Platz, sondern um eine schlicht manuelle Tätigkeit. Das simple Ausfüllen – und Versenden – einer Postkarte.

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Es geht um Entschleunigung, das Greifen zum Füllfederhalter und das Denken an andere Menschen. Es geht darum, anderen Personen eine kleine Aufmerksamkeit zukommen zu lassen jenseits der von der Industrie hochgeschätzten Zeit wie Valentins- oder dem deine Muddatag.

Und da haben wir einen kleinen Tipp für sie. Schon oft habe ich bei manchen Twittersprüchen gedacht, dass sie ein größeres Publikum verdienen. Eins, dass nicht nur im Netz vorhanden ist. Dass manche Sprüche so schön sind, dass sie gar handgreiflich werden sollten. Der @turbozopf sah das offenbar ähnlich und hat jetzt einen illustren Kreis von Twitteratis um sich versammelt, um deren geistigen Ergüsse auf ein kleines, handliches, ca 10,5 x 14,8 cm großes Format zu bannen. Twitter goes offline. Mit Postkarten. Von mir im Berliner Kurier (leider nicht online erhältlich) auch schon mal als Twostcards tituliert.

Analogbotschaft nannte er das Ganze. Zu finden ist es hier. Und für schlappe 1,10 Euro können da diverse Kleinode bestellt werden, die  hiner den immer sinnfreieren Sprüchen der Edgarcards nicht hintenanstehen müssen und geradezu hochgradig danach schreien, einer postalischen Verwertung zugeführt zu werden. (Wer sie sammeln möchte, nur zu. Wird auch keiner der Autoren was dagegen haben.)

Ich finde die Idee äußerst charmant. Nicht nur, dass die ganzen Kreativlinge zur Abwechslung mal einen kleinen Obolus für ihre Schöpfungen erhalten. Zudem werden auch noch caritative Projekte mit unterstützt. Man kann sich also doppeltplusgut fühlen beim Kauf einer Twitter-Postkarte.

Und bevor hier einer rummeckert, dieser Text sei schamlose Werbung. Ja, ist er. Weil ich es kann. Und es gut finde. Dabei habe ich keinerlei finazielles Interesse an diesem Projekt. Der Verfasser dieser Zeilen – obgleich mit einem der Autoren befreundet – gehört nämlich nicht zu dem Kreis der Erlauchten und wird auch nicht hintenrum irgendwie bedacht.

 

Die PK, die niemals war

Oktober 30, 2013 von Bunki abgelegt in: Gelebtes., Geschrieben.

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Das Nachfolgende hat sich natürlich niemals so zugetragen. Wird es auch nie. Und jede Ähnlichkeit mit irgendwelchen Personen ist natürlich der absoluten Zufälligkeit geschuldet. Was denn sonst? Eben. Also, ad rem.

Der Ort: Ein fensterloser Raum in einem schnieken, hypermodernen Fußballtempel im Südosten einer nicht ganz kleinen Großstadt. Sagen wir mal östlich der Elbe.

Die Protagonisten: Ein beliebiger Berufsfußballspieler (Vollzeit), im folgenden BFS abgekürzt. Ein Chefübungsleiter (hauptamtlich), kurz: Cheffe: verheiratet, (Anzahl der Kinder aus erster Ehe der Redaktion bekannt). Dazu ein klubeigener Moderator, kurz KluMo. Und natürlich eine Bande sensationsgeiler, hyperventilierender Medienfuzzis, die in ihrer nie enden wollenden Perfidität nur darauf aus sind, dem Klub ein schlechtes Zeugnis ausstellen zu wollen und dem Cheffe seine wertvolle Zeit zu klauen. Im folgenden als NB (Nervbolde) 1 bis 5 usw. abgekürzt.

Die PK beginnt, Cheffe beißt noch mal schnell von einem Brötchen ab, das er sich spät, aber dank seines überragenden Stellungsspiels doch noch sichern konnte, weil die sonst so vorhandenen Mitarbeiter des Klubs (sind in der Überzahl gegenüber der Journaille) ihm kaum eins übrig gelassen hätten bis zum Ende der PK. Cheffe  macht noch schnell  – begleitet von einem breiten Grinsen – einen freundlichen Soundcheck für die Journalisten, in dem er vor deren Aufnahmegeräten noch rasch und lautstark ein wenig mit seinem Schlüsselbund herumklimpert. Wäre ja schlimm, wenn der Aufnahmepegelanzeiger nicht ausschlagen würde. Hilfsbereit ist er, dass muss man ihm lassen. Auch beim Abhören ist der jeweilige Schmierfink Journalist dann bestimmt sofort hellwach.

KluMO: BFS, laut den Medien haben wir letztes Wochenende nicht gewonnen.

BFS: Das stimmt so nicht. Das ist eine böswillige Unterstellung. Wir haben nicht verloren. Das sollte man mal festhalten.

KluMO: Jetzt am Sonntag spielen wir gegen den nächsten Gegner.

BFS: Wir ist da so ein Wort.Wir. Ihr sitzt schön auf der Tribüne. Und ich weiß ja nicht, ob der Trainer mich lässt. Wir haben 22 gute Spieler im Kader, alle haben ihre Qualitäten. Da will jeder spielen. Auch die Putzfrau oder der Zeugwart. Und ob ich gespielt habe, erfahre ich auch immer erst nach Schlusspfiff. Vorher gibt der Trainer den Kader ja nicht bekannt.

KluMo: Ein Sieg am Sonntag vorausgesetzt und wir stehen in der Tabelle auf einem Aufstiegsplatz.

BFS: Ach, das ist doch nur eine Momentaufnahme. Wir haben doch erst drei Drittel der Saison gespielt. Das hat alles keine echte Aussagekraft.

KluMo: Aber wir hätten dann einen Zwei-Punkteschnitt. Wie weit ist man dann noch von der Bundesliga entfernt?

BFS: Meilenweit. Dazu muss man doch nur mal am Montag den Kicker aufschlagen. Da kommen seitenweise die Erstligisten vor. Zwei Seiten pro Spiel. Mindestens. Und dann noch Spanen, England, Italien. Suchen Sie mal nach der Zweiten Liga. Die ist da kaum zu finden. Die ist irgendwo ganzweit  hinten versteckt. Die Bundesliga ist also richtig fern. Und gemein wie die beim Kicker nun mal sind, speisen sie uns am Montag immer mit einer unvollständigen Tabelle ab. Da fehlt immer ein Spiel. So können wir uns nie ausrechnen, wie weit wir von der Bundesliga entfernt sind.

NB2: Ihr habt in der Saison das System umgestellt. Was ist dir persönlich eigentlich lieber: Mit nur einer Spitze oder mit zweien?

BFS: Och, das ist mir egal (hinter seinem Rücken flüstert Cheffe dem KluMo diebisch grinsend zu: „Ihm ist alles egal, Hauptsache er spielt.“). Ich kann über mich jetzt nichts groß Lobenswertes sagen. Mir ist beides Recht. Ich kann rechts wie links, vorne hinten, oben, unten.

NB2 hakt nach: Aber ihr Kollege hat gesagt, selbst als er alleine da vorne spielte, ihm wäre ein System mit zwei Spitzen lieber.

BFS: Ach immer dieses System-Frage. Immer dieses sich Aufhängen an  4-4-3 oder 4-4-2 oder irgendwelchen Ketten. Ob Vierkette, Dreierkette, Perlenkette. Das ist doch alles egal. Es geht hier doch um Fußball. Natürlich freue ich mich, wenn ich spiele. Dafür lebt man doch, dafür ist man Fußballer geworden. Aber das entscheidet der Trainer..

KluMO: Nun gut fragen wir mal den Trainer,  warum wir am Sonntag die drei Punkte hier behalten..

Cheffe:  Ich finde diese Fragestellung schon nicht korrekt. Sie lässt jeglichen Respekt vor dem Gegner vermissen. Die spielen auch 2. Liga! Da kann jeder jeden schlagen. Wenn man da nicht hellwach ist, immer 110 Prozent gibt, kann das ganz schnell nach hinten losgehen. Alles muss man sich erarbeiten. Jeden einzelnen Spieltag lang. Die spielen ja auch mit elf Mann. Jedes einzelne Spiel. Das müssen Sie sich mal vorstellen! Die haben Abwehrspieler, die abwehren, Mittelfeldspieler, die in der Mitte wirbeln. Und Stürmer. Wir dürfen nicht vergessen Stürmer.

KluMo: Ich glaube es ist dann jetzt die Gelegenheit für die Pressevertreter Fragen an den Trainer zu stellen. Bitte warten Sie, bis wir Ihnen das Mikro reichen. Wir wollen das im Klub-TV ausstrahlen, damit unsere Fans nicht mehr zum Zeitungskauf mühsam das Haus verlassen müssen, sondern schön bequem vor ihrem PC das Klub-TV-Abo genießen können. Kostet übrigens nur 4,95 Euro im Monat.

NB1: Haben sie denn schon eine Vorstellung davon, wie sie das Spiel angehen wollen?

Cheffe. Herr NB1 , ich sehe sie hier mit einer Kamera. Ich weiß nicht, als was sie hier sind. Als Fotograf oder Journalist? Ihnen antworte ich nicht.

NB4: Worauf muss man sich beim Gegner einstellen?

Cheffe: Die haben 15 Spieler abgegeben. Abert auch 15 dazu bekommen. Den A, den B. C auch noch  (rattert alle in alphabetischer Aufstellung runter). Die sind spielstark, kampfstark, schussstark, defensivstark, wolfgangstark. Das ist ne richtig gute Mannschaft und überhaupt nicht mit der zu vergleichen, die im kommenden Jahr gegen uns spielen wird.

NB2: Herr Cheffe, aber mit einem Sieg morgen könnte der Klub Geschichte schreiben …

Cheffe: Geschichte? Das ist doch Kokolores. Das ist mir zu boulevardesk. Das mache ich nicht mit. Immer diese Schlagzeilen. Immer diese großen Buchstaben. Glauben sie denn ich bin blind und dass ich eine Brille brauche? Ich kann lesen! Sehr gut sogar. Das Kleingedruckte und zwischen den Zeilen. Machen Sie mich nicht älter, als ich bin. Ich bin drei Jahre jünger als der Kollege Benno Möhlmann. Das habe ich extra nochmal nachgeschaut.

NB2: Herr Cheffe, Ihnen wird nachgesagt, dass sie immer versuchen, alles unter Kontrolle zu halten …

Cheffe: Das stimmt doch so gar nicht. Das können Sie die Spieler fragen.

NB2: Würden wir ja gerne. Aber die dürfen nicht mit uns reden.

Cheffe: Das wieder so eine Unterstellung. Ich habe den Spielern das niemals verboten. Zu keiner Zeit. Nur nicht erlaubt. Außerdem wird mir das zu persönlich. Nur Fragen zum Spiel, bitte.

NB3: Mit welcher Mannschaft wollen sie denn das Spiel angehen?

Cheffe: Das weiß ich jetzt noch nicht. Es sind noch zwei Trainingseinheiten bis zum Spiel. Da muss ich die letzten Eindrücke abwarten. Es könnt sich ja jemand noch verletzten. Oder der Himmel nicht das richtige Blau haben. Sie glauben doch nicht jetzt allerernstens, dass ich Ihnen etwas zur Mannschaftsaufstellung sage. Die weiß ich ja selber noch nicht mal genau. Das ist mir jetzt alles zu persönlich.

NB3: Sie haben also noch nicht im Kopf welcher BFS den jetzt ausfallen BFS ersetzen soll?

Cheffe: Doch, natürlich. Aber das werde ich Ihnen doch hier nicht erzählen. Das schreiben sie doch brühwarm auf. Sie können ja die Tinte nie halten. Die anderen Trainer lesen doch auch. Die kaufen doch am morgen vor dem Spiel immer alle sechs Tageszeitungen auf, um zu sehen, was ich mir habe einfallen lassen. Nochmal, die kaufen alle sechs Zeitungen auf! Wie soll ich die denn da überraschen? Ne, das sage ich ihnen nicht. Auch wenn ich es noch nicht im Kopf hab.

 NB5: Mit welchen Erwartungen gehen sie an das Spiel?

Cheffe: Das ist mal wieder typisch. Diese Fragestellung. Das mache ich nicht mit. Immer diese Erwartungen. Dadurch setzt man doch alle unnötig unter Druck. So ein Spiel kann ganz schnell vorbei sein. Nach nicht mal 90 Minuten. Nochmal, nach nicht mal 90 Minuten. Da kann ich doch keine Prognosen abgeben. Das wäre nicht seriös. Und Sie wollen da von Erwartungen sprechen?

NB1 (ganz vorsichtig): Und warum ist dieses Spiel jetzt so schwer?

Cheffe: Das ist doch völlig klar. Das nächste Spiel ist immer das schwerste. Und das übernächste das überschwerste. Von dem danach will jetzt gar nicht erst anfangen, denn wir müssen nur von Spiel zu Spiel denken. Alles andere ist Kokolores.  Wir müssen uns immer auf das nächste schwerste Spiel vorbereiten und da alles in die Waagschale werfen. In dieser Liga kann ja jeder jeden schlagen. Sogar die, die hier gar nicht mitspielen. Nein, wir  müssen vor allem die Ordnung halten. So wie beim Einlaufen. Das sieht immer recht hübsch aus. Wir müssen hinten gut stehen, kompakt stehen, schnell umschalten und Geduld bewahren. 90 MInuten können verdammt lang sein. Wenn man da nicht aufpasst, ist das Spiel ganz schnell vobei.

 

(Anmerkung des Autors: Diese Geschichte ist zeitgleich auch bei www.wanderezwischendenwelten.de erschienen)

 

 

 

 

 

One Klick, one Penny

Oktober 22, 2012 von Bunki abgelegt in: Gelebtes., Geschrieben.

Die Klagen der Medienbranche sind allgegenwärtig. Ob berechtigt oder nicht, lassen wir mal dahingestellt. Die Zeiten, wo ein Zeitungshaus eine Lizenz zum Gelddrucken besaß, sind vorbei. Die Strategie des immer weiter Ausdünnens von Redaktionen als ultima ratio ist kontraproduktiv. Heraus kommt oft ein beliebiges Produkt.  Austauschbar. Verwechselbar. Ohne eigenen Charakter. Ohne Experten, keine Expertisen, ohne Kaufwürdiges keine Käufer.

Händeringend wird allerorten nach neuen Einahmequellen gesucht und an vorderster Front eigentlich der Feind im eigenen Bett gefüttert, den man so gar nicht um sich haben mag: Das Internet! Alle Inhalte konstenfrei und weltweit zu jedem x-beliebigen Zeitpunkt abrufbar. Und trotzdem überbieten sich die Gazetten damit, alle ihre Storys möglichst schnell Online abrufbar zu machen. Die Jagd nach der Reichweite. Nach dem Zitiert werden … Was aber alles keinen Umsatz generiert. Nicht eine müde Mark. Im Gegenteil, man vergrault die eigenen Käufer. Warum etwas erwerben, dasss ich vermeintlich schon kenne?

Dabei wächst die Bereitschaft, für Inhalte im Netz zu zahlen. So sie denn nur echten Content enthält! Weil man sich darüber im Klaren ist, dass da jede Menge Expertenwissen vorhanden ist, akribische Detailarbeit sich da tummelt. Und, wenn man sich dieses Wissen zu Eigen machen möchte, dass es eigentlich einen Preis hat. Flattr ist da so ein Beispiel. Da hier allerdings ein geschlossener Geldkreislauf mehr oder weniger zwischen den weniger Nutzern  hin und herfließt, ist das natürlich kein Modell für Verlage, newsbroker oder andere Medien-Firmen. Es zeigt aber exemplarisch , dass der User bereit ist, Geld aus den Händen zu geben und nicht mehr alles für lau zu konsumieren.

Und die Verlage haben noch immer fähige Mitarbeiter, Redakteure und Schreiberlinge, die in ihren Fachgebieten genug Kompetenz besitzen, dass man ihre Urteile, Meinungen und Geschichten  lesen und annehmen würde.

Auch die Verlage wagen Experimente. So sind in Deutschland das Hamburger Abendblatt und die Berliner Morgenpost hinter einer  Pay Wall mehr oder weniger verschwunden.   Und ich will jetzt hier nicht näher darauf eingehen, das man sie dank Google trotzdem umgehen kann. Es  ist letztlich der Versuch, dauerhaft Abonnenten im Netz zu generieren. Doch es ist ein Versuch, der zwangsläufig scheitern muss.  Und sei es nur, weil nicht alle Verlage das Spiel mitspielen.

Und überhaupt, wer kauft schon die ganze Katze im Sack, wenn man eigentlich nur einzelne Teile nur haben will? Fußballfans wollen beispielsweise alles, aber auch alles, über ihren geliebten Klub lesen und wissen. Sie saugen die News förmlich in sich auf. Gossip, harte Faken, Gerüchte, alles! Egal, wo es steht. Aber der Rest des Sportteils interessiert sie meist nicht die Bohne. Kennt man schon. Warum also ganze Zeitungen – ob in Print oder Online – erwerben, wenn man sich nur für Bruchteile davon wirklich interessiert?

Auch einzele Artikel für vergleichsweise Unsummen käuflich zu erwerben, ist kein Modell, dass wirklich große Kohle garantiert.

Doch es müsste einen Weg geben, dass man im Netz zusätzlich Geld einnimmt. Und das Zauberwort heißt in meinen Augen Micropayment! Nicht mehr ganze Zeitungen kaufen. Nicht mehr Abos für Blätter in toto  abschließen, sondern nur für das, was einem gefällt. Und das so einfach wie möglich und ohne großen Mehraufwand. Für jeden Klick einen Pfennig. Klingt nicht viel. Ist für den User oder Konsumenten nicht teuer. Und er zahlt nur für das, was er auch wirklich lesen will. Und nicht mal viel.

Logischerweise  baut man so eine Verführbarkeit auf, dass sich alle User immer und immer wieder weiter durchklicken. Ach, der eine Cent ist ja nicht so schlimm. Das klick ich auch noch an. Und das. Und das… Hören Sie, wie die Kasse klingelt? Die Masse machts!

Als Gegenleistung müsten dann Verlage auch dazu übergeben, ihre unsäglichen, nutzerfeindlichen Mammut-Klickstrecken aufzugeben.

Die Abrechnung müsste ähnlich wie bei Telefonvorwahlen (Call by Call) von einer zentralen Stelle erfolgen, bei der man sich einmalig registriert hat und die dann die Geldströme einsammelt und weiter kanalisiert. Mehr als eine einmalige Registrierung darf auch nicht nötig sein. Solcherlei Komplikationen schrecken den Leser/Nutzer ab. Wie oft wollte man irgendwelche Zeitungsartikel kommentieren und hat dann doch davon abgelassen, weil man sich erst anmelden muss.

Ein Unternehmen wie Paypal müsste ein logisches Interesse daran haben, diese Summen über ihre Konten leiten zu lassen. Auch für die Telekom könnte das nicht uninteressant sein.

Natürlich gibt es datenschutzrechtliche Bedenken. Logisch. Es müsste eine Organsisation oder Behörde geben, die dafür einsteht, dass sämtliche Daten nur für den Zeitraum des Bezahlens bzw. bis zur Klärung bei eventuellen Streitgkeiten abgespeichert werden.

Und für die Einführbarkeit eines solchen „One-Penny-per-Klick“-Systems würde es ja genügen, dass sich mehrere Zeitungshäuser und Verlage miteinander kurzschließen. Wenn Beispielsweise die Süddeutsche, der Madsack-Konzern, DuMont und womöglich die Südwestpresse zusammenschließen bei diesem Bezahlmodell, würde es imho sehr schnell auch in anderen Verlagshäusern Bestrebungen geben, sich dieses System zu Eigen zu machen.

Nachtpflanzengedanken

Oktober 16, 2012 von Bunki abgelegt in: Gehört., Gelebtes., Geschrieben., Gesehen.

Pimpinelle? Kenn‘ ich nicht. Obwohl es gleich bei mir um die Ecke ist. Schabuwan & „Siggi“ Cäpt`n Bley? Kenn‘ ich auch nicht! Silke Feller? Ebenfalls nicht. Halt, falsch. Das ganze noch mal zurück. Natürlich kenne ich Silke. Allein schon wegen ihres Bruderherzes. Und das ein oder andere Gespräch haben wir auch schon mal geführt, wenn sich unsere Wege im F’hain in einschlägigen Etablissements kreuzten.

Was ich aber nicht wusste, dass Frau Feller – welch schöne F-Alliteration –  künstlerisch unterwegs  ist. Ein mir bis dahin verborgenes Talent, was zu oben genannter Dreier-Kombi führte. Wo von ich mich am Samstag bei der Ausstellungseröffnung in der Holteistraße selber überzeugen durfte.

Was ich da  zu sehen und hören bekam? Mal abgesehen von dem ein oder anderen Glas Wein. Hm, musikalisch zuerst einmal Abba in Form von Tom Waits verkleidet. So zumindest hörte sich für meinen laienhaften Geschmack die Stimme von Schabuwan an. Weil Stefan aber auch anders kann, kam dann später der Meister der rauen Stimme selber Liedertechnisch vor. Und erinnerte an den guten alten Johann Bargeld aka Johnny Cash. Durchaus amüsant. Und auch alleine gepflegte Abendunterhaltung.

 

Aber wegen dieses Duos alleine hätte ich mich bestimmt nicht in die Pimpinelle verirrt. Die Vernissage war ja der Grund meines Kommens. Und da ich oben schon eingeräumt hatte, diese Dreifaltigkeit nicht zu kennen, wurde mir von Silke auch noch prompt ein Rätsel gestellt. Ihre kleine Schwester und ihre Schwägerin seien unter den Portraits zu finden. Dass ich nur auf eine Trefferquote von 50% kam, ist wohl meinem schwächer werdenden Augenlicht geschuldet, weniger den naturslistischen Zeichnungen von Silke. Die kamen zumeist als Kreide auf Packpapier daher. Auch einige Bleistiftzeichnungen gibt es zu bewundern.

Ich bin kein großer Kunstliebhaber, aber die Bilder strahlten trotz der warmen Farben  eine zurückhaltende, nachdenkliche Kühle aus. Verborgener Schmerz paart sich mit gelangweilter Abwesenheit und Leidenschaft verheißender Sinnlichkeit. Unschuldige Erotik zum Anfassen bereitet einem lustvolle Momente und Gedankenspielereien.  Flüchtige Augenblicke des <lebens, die eingroren worden sind. Der Blick des Betrachters wandert irritiert von oben nach unten, droht auszubrechen  und wird dann doch wieder eingefangen.

 

Zu sehen sind die Bilder noch bis zum 14. November in der Kunstbar Pimpinelle in der Holteistraße 13 (Berlin – Friedrichshain).