spree:geflüster

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Dezember 04, 2009 von Bunki Abgelegt in Gesehen.

Ich hab’s ja so mit der Werbung. Sehr zum Leidwesen mancher meiner Zeitgenossen. Aber ich freu mich auf gute Werbung. Und bei schlechter erwäge ich des öfteren, das Produkt nicht mehr zu kaufen. Kann man ja mal machen, oder?

Kinotrailer sind ja auch nichts anderes Werbung. Viral oder klassisch auf den Markt gebracht, spielt da keine Rolle. Und oft genug bin ich dankbar dafür, wenn ich im Lichtspielhaus sitze und mir plastisch vor Augen geführt wird, was da demnächst auf Großbildleinwand durch die Gegend flimmern wird. Nicht selten denke ich dabei nur stumm: Danke, wieder ein Machwerk, das ich mir nicht antun muss. Nachfolgend ein Beispiel, bei dem mir genau das so oder ähnlich durch die Hirnwindungen rauschte.

Boah, ey. Voll langweilig. Platterer SciFi geht wohl kaum. Allein schon der Titel. Avatar. Hallo, Telespiele gefällig? Dazu irgendwelche fantastisch anmutenden Flugobjekte, bei denen nur neue Animationstechnik den Eindruck vermittelt, sie wären nicht schon zu Zeiten von StarWars I – III durch die Stratosphäre gejagt. Das ganze gepaart mit wilden Bildschnitten. Blaue Indianer, die mit Pfeil und Bogen gegen die US-Kavalerie antreten. Gähn.

Durch einen Zufall bekam ich dann dieser Tage dank Twitter etwas anderes zu sehen.

Der gleiche Film. Aber hier offenbarte der Trailer mir ein ganz anderes Bild. Klar, die Handlung ist immer noch nicht wirklich neu. Hat man bei „Battle for Terra“ auch schon gesehen. Auch Tom Cruise gefiel sich in „Last Samurai“ in der Rolle des Überläufers, der mit der technisch unterlegenen, aber geistig moralisch auf einer höheren Ebeben stehenden Kultur paktiert. Meister James Cameron, sicher kein schlechter seiner Branche,  würde wohl auch  zugeben, dass da andere ihm in nicht gerade kleier Zahl schon zuvorgekommen sind. Und auch die literarische Figur des edlen Wilden ist nicht erst seit William Shakespeares „The Tempest“ („Act 5, I 183 – 184 “ O brave new world, that has such people in it“) und Aldous Huxley ein dauerhaft in der Literatur wiederkehrendes Motiv. Doch nur in der englischprachigen Vorschau erkennt man, dass es nicht nur ein langweiliges ScFi-Drama ist, sondern deutlich mehr Tiefgang besitzt.

Hier der Konfklikt des eigentlich im Rollstuhl gefesselten GIs (Sam Worthington alias Jake Sully), der als Querschnittsgelähmter Ex-Marine seine ursprüngliche Aufgabe im Leben verloren hat (0:24 – 0:32) und natürlich alles dafür tun würde, dass er wieder gehen kann (1:22 – 1:25) und folglich hochgradig in Versuchung geführt werden muss (1:51 – 2:09), die Grenzen normal-menschlichen Verhaltens zu überschreiten, nur um endlich wieder ein „vollständiger“ Mensch werden zu könne.  Da  ein Schuss knallharte Sozialkritik: es geht um Rohstoffe. Das Leben irgendwelcher Humanioden zählt angesichts handfester merkantilistischer Interessen (0.49 – 1:03) nichts.

Jakes Wandel vom Saulus zum Paulus (2:31), die – wie kann es anders seine – innige Zuneigung – zu der Eingeboren  Zoë Saldaña: alias Neytir) stürzen ihn in einen Zielkonflikt, in dem er sich am Ende – Gott seis getrommelt und gepfiffen – eigentlich für den American Dream (This is our land“, 3:11 -3:16) entscheidet.

Spannend alle mal. Technisch brillant. Und nebenbei wirkt ein Satz schon zu Beginn des US-Trailers im Nachhinein fein ironisch: „Ladies and Gentlemen, your are not in Kansas any more. You are on Pandora“ (0:33 –  0:40). Kansas? Da war doch mal was. „There is no place like home. There is no place like home.“

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