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Archive for the ‘Gelesen.’

Bring(t) mich zum Rasen

August 02, 2014 von Bunki abgelegt in: Gelesen., Geschrieben.

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Ich mag keine kleinen Kinder. Nicht mal mit Speck und Zwiebelchen. Und Bücher über Fußball schon gar nicht. Sicher, ich hab ein paar davon. Aber alles mehr oder weniger Zufallsprodukte. Fußball findet auf dem grünen Rasen statt. Meinethalben auch auf den Rängen oder in den Gazetten. ersatzweise im TV, wenn der Weg zum Stadion zu weit ist und man daher nur die Bidlschirme anbrüllen kann.  Und ja doch, ich schreib selber darüber. Dennoch mag ich Fußballbücher nicht.

 

Und nun sitze ich vor etwas, was diese beiden Themen vereint. Sie zu einer untrennbaren Einheit verwebt. Verwobt würde die Autorin wohl in ihrem als Stilmittel recht gern gepflegten Ostbrandenburgisch sagen. Stefanie Fiebrig aka @rudelbildung, für mich aber immer noch „La Lamm“ (so steht sie weiter in meinem Mobilfunkverzeichnis), hat es geschafft, mein Interesse zu wecken mit zwei Themen, die mich so gar nicht reizen – Kinder und Fußball. Ausnahmsweise nicht wordgepresst, sondern zwischen ein paar Pappdeckeln in schönstem Stadiongrün. Und mit einem treffenden Titel: Bring mich zum Rasen.

 

Der allein hat es ja schon in sich. Ist da das substantivierte Verb gemeint? Oder soll mich jemand zum Ort des Spielgeschehens geleiten? Auch hier steht zwei für eins. Steffi parliert munter vor sich hin. Nimmt uns mit auf eine beschauliche Reise, die wir gar nicht beenden wollen. Sie beschreibt ihre Liebe zum runden Leder, einst erwacht aus Liebe zu Menschen. Aus Momenten, in denen sie Authentizität einfangen wollte durch das Objektiv ihrer Kamera.

 

Locker flockig erzählt sie von ihrer Zuneigung zu Trikots und Farben. Und amüsiert sich selber über ihre eigene Unzulänglichkeit, das Trikot eines abgewanderten Fußballgottes adäquat ausfüllen zu können. Allein diese Passagen weckten ein ambivalentes Gefühl in mir. War es doch meine Wenigkeit, die ihr einst das Leibchens unseres ewigen Torwartes unserer Herzen verschafft hatte. Jan Glinker bleibt unsere Nummer 1, ungeachtet der Tatsache, dass er derzeit nicht mal bei einem Viertligisten seiner liebsten Berufsbeschäftigung nachgehen darf. Mit sehr viel Wehmut nahm ich daher einst zu Kenntnis, dass sie Avatar bei Twitter geändert hatte. Nicht mehr die die Rückenansicht besagten Leibchens zierte es, sondern ein wohlfeil gezeichnetes Selbstportrait. Ein Gelungenes muss ich sogar sagen. Denn wunderbar malen kann sie neben „schreiben“ auch, auch wenn sie in „Bring mich zum Rasen“ behauptet, dass sie so vieles nicht könne.

 

Dieses Buch liefert keine Ergebnisse, keine tiefschürfenden Analysen oder Hintergrundberichte. Es erhebt auch nicht den Anspruch, von Fußball Ahnung zu haben.  Es lebt von seinen Gefühlen und von seiner  Leidenschaft. Von den Geschichten über Menschen und den Geschichten, die die Autorin über sich preisgibt. Beispielsweise  von dem Testspiel, bei dem sie sich ihren Göttergatten geangelt hat und von dem sie heute nicht einmal mehr das Ergebnis weiß. Was wir hiermit ihr nachreichen: 2:1 ging’s aus im schönen Schöneiche an einem kalten End-Januar-Nachmittag des Jahres 2009. 2:1. Aber nicht für die Guten! Auch wenn da bei denen zahlreiche der ehemals Guten sich tummelten.

 

Diese Anekdoten mach „Bring mich zum Rasen“ lesenswert. Diese ungewohnte Perspektive, eine völlig andere Art des Draufschauens. Es ist ein Muss für Freunde des runden Leders. Egal welche Farben sie tragen. Weil es die Liebe zum seinem Klub nicht verbirgt oder mit großem Sendungsbewusstsein brutal vor sich herträgt. Es ist zeitlos quasi stellvertretend für alle Fans und ihre Fanwerdung. Und es hält überraschende Momente bereit.

 

Denn mal ehrlich, wer käme schon auf den Gedanke ein zweites Mal zu besingen? Nur Erbsensuppe wird aufgewärmt besser. Doch Steffi schon. Sie tut das .mit eiern Nonchalance, als würde sie mal eben in den Garten flip-floppen, um Gartenkräuter für das Abendbrot einzusammeln. So „schrub“ sie über das zweite Derby im Olympiastadion, nicht über jeden Abend im Februar 2010, an dem John-Jairo Mosquera, Torsten Mattuschka und  Torsteher Maikel Aerts – letzterer eigentlich auf der anderen Seite, aber dank seiner Mithilfe doch für einen Moment auf der Seite der Guten – unsterblich wurden.

Es ist nicht alles nur lustig. Manche Kapitel stimmen einen sehr nachdenklich. Und Melancholie tritt auf. Aber auch das ist großes Kino. Weil Steffi wieder wunderbar mit unserer Gefühlswelt spielt.

Und jetzt sitze ich hier und schreibe über etwas, was ich noch nicht mal zur Gänze kenne. Denn nach den ersten 30 Seiten hatte es mich schon so gepackt, dass ich eine Elegie darauf verfassen musste. Und die Gefahr, auf den folgenden Seiten enttäuscht zu werden, erachte ich als gering. Ich kenne Rudelbildungs Stil aus dem Stadtteilmagazin Maulbeerblatt oder ihrem Blog Textilvergehen, in dem sie sich leider in letzter Zeit viel zu wenig produziert. Und wenn nur durch Bilder  oder als Randgelächter bei den stets überlang daherkommenden Podcasts. Wenn es mir nicht weiter gefallen sollte, bin ich selber schuld. Das wäre so, als ob ich nach einem perfekten Date am Abend der jungen Dame leider sagen muss, es liegt an mir, nicht an ihr.

 

Und nun entschuldigen Sie mich bitte. Ich muss aufhören. Da warten noch rund 190 weitere Seiten auf mich.

 

Neues aus der Yuma Bar

Januar 19, 2010 von Bunki abgelegt in: Gehört., Gelesen.

Alte Stelle, neue Welle. „Read on my dear – die Lesebühne mit Spreeblick“ hatte letzten Mittwoch (sorry für die etwas späte Kritik) sich mal wieder nette Gäste ins Haus geholt. Und anders als in der Vorwoche musste @Freval aka  Frederic Valin in der „Yuma Bar“ diesmal keine Magazine Frischluft von Außen zuführen, weil sich die Anzahl der Besucher in Grenzen hielt.

Dafür war es aber wesentlich gemütlicher, so dass Fred später keine Probleme hatte, mit seinem als „sorting hat“ verkleidetem Klingelbeutel spielend durch die Reihen zu kommen.

Zurück zur Gemütlichkeit. Die strahlte dann auch gleich Frederics erster Gast aus, Thilo Bock.  Thilo las unter anderem aus seinem Roman „Die geladene Knarre von Andreas Baader“ und hatte auch sonst noch so einiges mitgebracht. Beispielsweise in „Indirekt ins Gesicht gespuckt“ eine durchaus brauchbare Anleitung, um für perfekte Verwirrung und liebvolles Chaos zu sorgen. Glauben Sie nicht? Dann folgen Sie einfach mal seinem Rat und laden den bestellten Pizza-Bring-Boten spontan zu einem Dreigänge-Menü ein und schauen Sie, wie er reagiert! Oder nehmen Sie den erstbesten, vollbeladenen Einkaufswagen im Supermarkt, zahlen und brauchen die Vorräte dann bei sich zu Hause auf. Es verrät Ihnen einiges über ihre Mitmenschen. Selbst wenn das ein bisschen mehr Information sein mag, als sie sich vielleicht gewünscht hätten …

In solchen skurrilen Momenten spielt Thilo Bock seine starke Seite aus.  Auch in seinen Alltagsbeobachtungen. Wenn er  wie in Neuköllner Hinterhofgesprächen recht junger Heranwachsender („Kinder, Keks & Clamydien) den ewigen Geschlechterkampf  schon einer Prä-Teenager-Zeit als systemimmanent entdeckt und entlarvt.  Etwas bemüht wird es, aber wenn er in Heinz-Erhard’scher Manier  sich schlicht durch die Gegend kalauert. Das sollte man dann doch lieber dem Altmeister überlassen. Auch seine abschließende Sanges-Litanei war tonal gewöhnungsbedürftig. Dafür aber inhaltlich lustig.

Matthias Oborski als zweiter Gast des Abends, früher mal eine gefürchtete Internet-Rampensau, fing die Zuhörer gleich einmal mit der bahnbrechenden Erkentnnis, dass für Astronauten eine Erektion in der Schwerelosigkeit ein schwerwiegendes Problem ist. Solchermaßen eingestimmt, ging es dann locker weiter. Natürlich durfte auch die Mutter aller Neu-Berliner-Geschichten, das bis auf in einem hier nicht näher zu nennenden Kiez (Bezirk der Spreegeflüster-Redaktion bekannt) allseits beliebte  Schwaben-Bashing, nicht fehlen. Eben jenem allzu jugendlich daherkommenden Stadtteil, in dem erwachsene Menschen sich nicht dazu entblöden,  an ihren „Strickmützen auch noch Bommeln“ zu tragen, wie Oborski genüsslich feststellte. Der Szenebezirk halt, in dem all „die Erwachsenen in ihren Zwanzigern stehen geblieben sind, weil sie das Jetzt nicht verstehen. So wie sie auch bald die Musik ihrer Kinder nicht mehr verstehen werden“.

Dass das P-Bashing auf Dauer etwas ermüdet, lassen wir jetzt einmal dahingestellt. Woche für Woche das gleiche! Matthias kann ja nix dafür, dass aus einer avantgardistischen Bewegung mit Augenzwinkern und Ironie langweilender  Mainstream geworden ist. Wenigstens an andere Stelle zeigte sich Oborski aber als voll im Trend. Wie wichtig es ist, zu Twittern, wenn man sich den großen Stars auf du und du nähern will („Ich würde da sein, wie ich noch die da gewesen war“), wurde einem anschaulich vor Augen geführt.

Großartigst aber sein minutiöse Schilderung des Arbeitsalltages eines modernen Kreativarbeiters („6.15 Uhr: Im Stockwerk über mir ist eine Eishockeymannschaft zu Gast die ihre kompletten Spielzüge übt. Spart Strom des Radioweckers.“  9:00 „Höre Stimmen. Hatte den Radiowecker vergessen.“ usw.)  und einem wieder mal richtig viel Freude auf einen gelungenen Prokrastinationsalltag macht.

Alles in allem, wieder mal ein vergnüglicher Abend, der einem mindestens mal wieder ein zwei Leseanregungen gegeben hat. Und  Freude auf Wiederholungen  mit neuen Gäste in der Yuma Bar aufkommen lässt.

Wer jetzt übrigens glaubt, das er hier nun  jede Woche „Neues aus der Yuma Bar“ vernimmt, dem muss ich gleich den Wind aus den Segeln nehmen. Die Winterpause ist ja vorbei. Bald rollt auch unter der Woche wieder der Ball. Und ich bereite mich für meinen – bei manchen meiner Mitmenschen nicht ganz unbekannten – Arbeitgeber nächsten Mittwoch in südlichen Gefilden Deutschlands auf die WM vor. Und danach? Nun ja, da ist Champions League, oder so. Da müsst  ihr dann mal wieder alleine lesen. Oder Lesen lassen. Und ich, gehe vielleicht mal zur Abwechslung den @Vergraemer bei seinem „4. Jour Fiztz“ besuchen.

Flieg, kleiner Zauber-Uli, flieg!

Januar 08, 2010 von Bunki abgelegt in: Gehört., Gelesen.

Ein Satz! Um Himmels Willen, gib mir einen ersten Satz. Oder wenigstens ein Wort, dass ich weiß, wie ich einsteigen kann mit dieser von keinem geforderten, mir aber selbst auferlegten Kritik. Warum? Weil es mir ein Bedürfnis ist. Und weil ich es kann. Ist ja schließlich auch mein Blog hier ;-). Aber lassen wir das.

Kommen wir lieber zu wichtigen Dingen. Zu Frederic Valin, beispielsweise, vielen auch bekannt als @Freval und Mit-Autor des unnachahmlichen Blogs Spreeblick, dem wir trotz zufälliger Anlautähnlichkeit im Blognamen weder das Wasser reichen wollen noch können. Wo war ich? Ach ja, dass Fred es einfacher hatte am Mittwoch Abend als ich jetzt, dem partout gerade kein Beginn einfallen will. Denn der konnte in seiner neuen Lesereihe "Read on my dear – Die Lesebühne mit Spreeblick" zunächst einmal routiniert auf gewohnte Eröffnungswortritualhülsen zurückgreifen, die er nach gekonnt abgespultem Pensum angesichts der Massen, die sich da in der Yuma-Bar drängelten, doch leicht süffisant – Freval halt – variierte. Seine Anmoderation des Abendgastes ("Habt ihr alle einen Platz gefunden") konterkarierte er in gleichem Atemzug mit einem munteren "Hö,hö", denn es war unübersehbar, dass  Uli Hannemann den "Saal" erwartungsgemäß aus allen Nähten platzen ließ.

Da störte es auch nicht, dass  die in Neukölln beheimatete  Lesebühne entgegen des Untertitels keinerlei Spreeblick zuließ, schließlich war der Vortragende Anblick genug und seine Worte Genuss pur. Um es kurz zu machen, wer nicht da war, war selber schuld. Uli Hannemann produzierte nämlich nicht nur eine Werkschau seiner zurecht beliebten, aber nicht ganz unbekannten Kiez-Beobachtungen aus  "Neulich in Neukölln" und Droschkenkutscher-Erlebnissen  "Neulich im Taxi", sondern ließ dem Publikum zahlreiche unabgedruckte Manuskripte zu Ohren kommen, dass es nur so eine Freude war. Dass er dies auch noch in umgekehrt chronologischer Reihenfolge als  dem klassischen Jahreszeitenrhythmus offerierte, sich vom jüngsten Werk zum Ältesten quasi zurückzauberte, steigerte das Vergnügen nur.

Köstliche abstruse Quervergleiche riefen immer wieder Lachsalven hervor. Beispielsweise die trockene Feststellung in "Champagner Laune", dem Opener des Abends, dass dieser edle Perlwein doch auch nur "das Sternburg der Krise der digitalen Penner und der Generation Praktikum" sei. Solchermaßen eingestimmt,  bat Hannemann in "Deutscher Herbst" in verquerer und dennoch einleuchtender Logik um Mitleid für einen Exhibitionisten, der extrem darunter leidet, dass er "seinen Beruf" verfehlt hat. Gezielt nahm er auch die zugereiste Prenzl-Berger Schickeria aufs Korn, die in ihrer gutbürgerlichen Überheblichkeit und mit reichlich Standesdünkel und wildgewordenem Mütterstolz versehen, vehement für eine "Freilandhaltung asozialer Gestalten eintreten", die es wagen, bei Rot über die Ampel zu gehen und damit der nachzuzüchtenden Brut einen irreparablen geistigen Schaden zufügen.

En passant erfuhr man in "Für immer und ich", warum man schon durch ein einfaches Hallo sein Leben aufs Höchste gefährden konnte. Man musste innerlich mitaufstöhnen, wenn in "Früher Vogel schmeißt den Wecker an die Wand" der Protagonist zu so nachtschlafender Stunde aus Morpheus Armen gerissen wird, dass der "Blick aus dem Fenster körperlich schmerzt". Hörte von ungewollter, mehr aus Höflichkeit den stolzen Spendern gegenüber – man kann sie ja schlecht durch Ablehnung ihrer Großherzigkeit beleidigen – gemachter Bewusstseinsveränderung, die den "kleinen Zauber-Uli" in seinem Taxi zum Fliegen brachten

Sex kam auch nicht zu kurz. Von den Vorzügen der Penetration durch eine Wespe wurden wir in "Tierliebe" unterrichtet und zugleich einer Korrektur unseres Wertesystems angemahnt, weil echte Tierliebhaber sehr wohl mit dem geflügelten gelb-schwarzen Stichling Strecke zu legen wüssten, nicht aber mit kleinen Katzen. Zudem – wenn auch schonend – konfrontierte uns des autobiographischen hochgradig verdächtige Autor mit der äußerst schmerzhaften Erkenntnis,   dass er für die Antologie schlimme Erfahrungen im Bereich der körperlichen Liebe leider eine Geschichte erfinden musste, weil er mangels eigener Negativ-Erfahrung sonst zu dem epochalen "Sex – von Spaß war nie Rede" nichts hätte beitragen können.

Es war wieder eine mit  rauem Charme, teils deftigem Vokabular und ironischem Augenzwinkern von sonorer Stimme vorgetragene Liebeserklärung an das Leben im Allgemeinen und an Berlin  im Speziellen. Davon könnte man viel, viel  mehr brauchen.

Fotos: Sebastian Saumselig

Shakespeare. Sonett 66. Nachdichtung.

Oktober 12, 2009 von Peter Dessin abgelegt in: Gehört., Gelesen., Geschrieben., GLitterarisches.

Genug davon. vor Ekel schrei ich auf

Davor. wie Jugend heimatlos verkommt

Wie aufgeblähtes Nichts mit Wohlstand protzt

Korrupte Selbstsucht Privilegien rafft

Wie eitle Missgunst Sachlichkeit zernagt

Wie Ungeduld verbittert resigniert

Wie dumpfe Feigheit freie Willen lähmt

Verhöhnt und wie Vereinigung versiegt

Wie Kunst bildschöne Illusionen geigt

Wie dreister Stumpfsinn Heiterkeit erstickt

Wie Wissenschaft geknebelt Wasser lässt

Wie tätige Vernunft ohnmächtig stöhnt…

.

Genug davon. längst wäre ich weit fort

Ließ ich nicht dich allein an diesem Ort.

______________________

78 rpm

Diese Nachdichtung, gesprochen von Marlene Marlow, als mp3:

Here is the Music Player. You need to installl flash player to show this cool thing!

(entnommen aus: „Grenzgänger“, Hörstück von P. Dessin)

Briefe an unsere Follower #5

Oktober 08, 2009 von Peter Dessin abgelegt in: Gebrieftes., Gelesen.

aus_polaroid

Sehr geehrter Herr Fitz! Oder, wie Sie es ja lieber mögen:
Sehr geehrter Herr Tauben-@Vergraemer!

Eigentlich wollte ich Ihnen ja keinen dieser Briefe schreiben, keinen dieser – Sie wissen ja – “ich-biedere-mich-bei-meinen-Followern-an-Briefen” – aber der heutige Umstand ist ein Besonderer.

Wie es Ihnen, Herr Fitz, und auch Ihrer mittlerweile sicher selbständig lesenden und schreibenden Timeline sicher nicht entgangen sein sollte, habe ich mich unlängst, um genauer zu sein: vor nicht einmal ein paar Stunden, mich eines Ihrer Gedanken bedient, um mich daran zu ergötzen.

Doch damit nicht genug! Es reichte mir nicht, Ihnen ein kleines gelbes Sternchen ans Revers zu heften, nein! Ich trub trieb es noch weiter! Ich führte diesen, Ihren, Gedankengang hinaus zu meiner ganz eigenen Wahrnehmung. Während Sie noch schmollend im heimeligen Wohnzimmer lagen, sich unter Teppichen einrollten und versuchten, Quichotte-like den Kampf mit windmühlenflügelgleich ausgestatteten Insekten, die wir hier der Einfachheit “Mücken” nennen wollen, aufzunehmen, tröteten Sie einen Kampfschrei hinaus ins Weite, den wir Eingeweihte ungleich als Hilferuf erkennen konnten:

Pöbel1

Ja ja, Herr Vergrämer, “ist Ihnen lieber”…! Da lachen ja die Hühner, die Mücken und die Kängurus gleichzeitig! Sie, die Sie sich in in Ihrer perfiden Art summend neben Mücken setzen, um diese am verdienten Verdauungsnachtschlaf zu hindern?

Nichtsdestotrotz, mein Lieber, schreibe ich Ihnen ja jetzt, weil ich nicht nur Ihr Treiben, das der Mücken und – ja – das der Kängurus durchschaut zu meinen glaubte. Zumal ein ähnliches Erlebnis mich zeitnah heimsuchte.

Pöbel2

Und da hätten wir sie: Die ewig währende Kausalität zweier grundverschiedener Individuen – der Pöbeler hier, der summende Charmeur dort.

Da Sie aber (wie wäre es anders zu erwarten gewesen) meinem ewig summendem Geist und pöbelndem Charme nicht aus dem Geist gingen, blieb es wohl nicht aus, Ihrer Mücke und meinem Känguru noch eine Referenz zu erweisen:

Pöbel3

So haben Sie, die Mücke, das Känguru und ich auf immer eine Ruhe gefunden und ewige Freundschaft geschlossen. Oder so.

Und Sie, Herr ehrenwerter Dr. Verfitz, sind alsobald zu einer Muse geworden. Zu meiner.

Gehaben Sie sich wohl.