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Die sieben Söhne der Frau Woche (I)

August 17, 2009 von Peter Dessin Abgelegt in Geschrieben., GLitterarisches.

(Heute beginne ich eine siebenteilige Serie: Kleine Texte für Kinder im Vorschulalter zum Vorlesen, Vorspielen, Mitspielen. Ich hoffe, es findet bei meinen großen Lesern und kleinen Zuhörern Anklang und bietet etwas Ablenkung vom Alltag.)

– Meinem Patenkind Jannes gewidmet. –

Der Montag

Es ergab sich, dass mich an einem sonnigen Nachmittag vor vielen Jahren meine Mutter zu sich rief.

„Leopold“, sagte sie zu mir, denn so heiße ich, obwohl alle anderen mich nur kurz ‚Leo’ nennen, „Leopold, geh doch bitte zu Onkel Frisch und hole ein Stück Butter und ein paar Eier.“

Onkel Frisch war eigentlich gar nicht mein Onkel, wir nannten ihn nur so, weil er immer aufs Neue beteuerte, dass bei ihm alle Waren „ganz frisch“ seien. Nun, ich war damals noch so ein Drei-Käse-Hoch wie du und konnte kaum über den Tisch langen, um mir ein Stück Kuchen zu stibitzen. Bei Onkel Frisch war ich schon oft, aber noch nie hatte mich meine Mutter allein dorthin geschickt.

Stolz nahm ich meinen Rucksack, verstaute die Geldstücke, die meine Mutter mir gegeben hatte, einen Pfirsich und eine kleine Flasche Apfel­schorle als Wegproviant, vergaß auch meinen Stofftiger nicht, den ich mir unter den Arm klemmte, und lief los. Forsch schritt ich drauflos, die Straße hinun­ter bis zum angrenzenden Stadtpark, den ich ja schließlich durchqueren musste. Bei dem Ge­danken daran wurde mir doch ein wenig ängst­lich zumute, und ich summte ein kleines Lied, um die aufkeimende Furcht zu vertreiben.

Ich hatte kaum den Park zur Hälfte durch­streift, da sah ich eine Ansammlung von einigen Jungen, die scheinbar um die Wette liefen – aber nie konnte einer den Vorauseilenden einholen. Still beobachtete ich sie eine Weile und zählte sie, denn ein wenig zählen hatte ich schon ge­lernt: eins – zwei – drei – vier – fünf – sechs – sie­ben. Das war gar nicht so einfach, wie du viel­leicht denken magst, denn die sieben Jungen standen ja nie still, so dass ich mich mehrmals verzählte. Als die Jungen mich erblickten, hielten sie inne in ihrem Treiben und riefen mich zu sich.

„Leopold“, rief der Erste, der immer an vor­derster Stelle gelaufen war, „Wir haben schon auf dich gewartet“, rief der Zweite. Der Reihe nach sagte jeder eine kleine Freundlichkeit zu mir, dann baten sie, ich möge mich doch zu ihnen setzen.

„Woher kennt ihr meinen Namen?“ wollte ich wissen.

„Oh“, sagte da der Erste, „wir kennen jeden Namen, so wie auch jeder unsere Namen weiß.“

Und dann stellte er sich höflich vor: „Gestat­ten, junger Freund, mein Name ist Montag. Ich bin der Älteste von uns Brüdern, unsere Mutter ist die Woche und unser Großvater heißt Monat.“

„Dann kenne ich euch ja schon“, erwiderte ich nicht ohne einigen Stolz, und ich begann ihre Namen aufzuzählen: „dann bist du der Dienstag, du der Mittwoch“ – ich zeigte mit dem Finger auf die Nächstfolgenden – „Donnerstag, Freitag, Samstag und der Kleinste muss wohl der Sonn­tag sein.“

„Ja“, antwortete dieser, „ich bin aber nur heute der Kleinste, in ein paar Tagen bin ich der Älteste und die anderen folgen mir nach.“

Der Montag ergänzte kurz: „Was du vorhin für ein Spiel hieltest, als du uns erblicktest, war nichts als unsere immerwährende Aufgabe – ei­ner folgt dem Anderen, immerzu, aber wir lau­fen immer schön im Kreis, damit der Montag auch dem Sonntage folgen kann.“

Was die beiden gesagt hatten, begriff ich nicht ganz, aber ich traute mich nicht zu fragen. Als ob er meine Gedanken erraten hätte, sprach der Montag erneut zu mir: „Du wirst sehen, in ein paar Tagen wird dir klar, was wir meinten. Jetzt aber wird es schon langsam spät – also lauf schnell zu Onkel Frisch und besorge, was deine Mutter dir aufgetragen hat.“ Ich erschrak. Das Wichtigste hätte ich ja über diese Begegnung beinahe vergessen! Schnell ver­abschiedete ich mich von den Brüdern, nicht ohne vorher zu versprechen, am nächsten Tage wieder zu kommen.

Abends, als meine Mutter mich ins Bett brachte, erzählte ich ihr die ganze Geschichte. Ich befürchtete, sie würde mir nicht glauben, aber sie lachte nur herzlich über meine neuen Freunde. Sie gab mir einen Gute-Nacht-Kuss, und ich träumte von den sieben Söhnen der Frau Woche.

3 Kommentare zu “Die sieben Söhne der Frau Woche (I)”


  1. *hihi*

    – dis und unsterblicher weltruhm macht mir nix, sowas kann ich wegstecken.

    1
  2. peter, ich glaub ich möchte das gerne illustrieren. zwischen mir und einer wirklich guten illustration steht immer irgendwie mein unvermögen, sachen fertig zu machen. aber ich möchts versuchen. darf ich?

    2


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