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Die sieben Söhne der Frau Woche (VII)

August 23, 2009 von Peter Dessin Abgelegt in Geschrieben., GLitterarisches.

Der Sonntag

Sonntags schlafen meine Eltern immer etwas länger. Ich machte mir daher selber eine Kleinigkeit zu essen, um gestärkt den Weg in den Stadtpark antreten zu können.

Dort angekommen, bin ich überrascht. Meine Freunde sind da, ja, aber mit ihnen auch eine große Gruppe, die ich nicht kenne.

Das sollte sich alsbald ändern. Aus dem Pulk mir unbekannter Erwachsener schälte sich der Sonntag heraus – er war jetzt größer, als ich erwartet hatte. Er kam auf mich zu und begrüßte mich freundschaftlich. „Leopold“, rief er mir zu, „es ist schön, dich heute noch einmal zu sehen.“

Ich erwiderte seinen Gruß, aber er ließ mich fast nicht ausreden.

„Leo, wie du siehst, sind wir heute nicht alleine hier.“ Ich nickte, gespannt, was er jetzt zu erzählen hatte.

„Vorgestern waren wir bei einem Familienfest und schon heute treffen wir uns schon wieder. Alle waren gespannt, dich kennen zu lernen.“

Ich war verwirrt. Wer? Alle diese Unbekannten dort? Aber bevor ich fragen konnte, fuhr der Sonntag fort: „Alle diese Leute, die du hier siehst, sind mit uns verwandt. Wir Wochentage sind die Jüngsten. Unsere Mutter steht dahinten, das ist Frau Woche. Sie redet gerade mit ihren Onkeln, den Monaten.“

„Von den Monaten habe ich schon gehört“, warf ich ein. „Ich kenne auch schon die meisten.“

Ich zählte die Monate auf, die ich kannte, aber ich vergaß den einen oder anderen. Der Sonntag beruhigte mich. „Für die meisten Menschen ist Zeit etwas Absolutes. Die Monate folgen einander genau so wie wir Wochentage einander. Aber während wir Tage ständig im Bewusstsein der Menschen sind, sind die Monate nicht so wichtig. Gut, sie werden benutzt, um wichtige Tage besser festhalten zu können. Oder, um unsere größeren Verwandten, die Jahreszeiten, besser einordnen zu können.“

„Die Jahreszeiten sind eure Großonkel, die mir das Gedicht geschrieben haben?“ fragte ich.

„Ja, das hast du gut erkannt“, erwiderte der Sonntag, „und heute sind wir alle hier: Deine Freunde, die Wochentage, die Monate, die sich genau wie wir immer abwechseln, die Jahreszeiten, die sich immer streiten…“

„Und wer ist diese alte Frau dort hinten, die immer lächelnd mal mit diesem, mal mit jenem redet?“ fragte ich, die gesamte Runde genau beobachtend.

„Das, mein lieber Leo“, (ich mochte es, wenn meine erwachsenen Freunde mich bei meinem Spitznamen nannten) „ist unsere Urmutter, die Zeit. Sie läuft davon, wenn du sie am meisten brauchst, und sie ist da, wenn du meinst, ohnehin genug von ihr zu haben. Sie lässt sich messen, wenn du eine Uhr hast, hast du aber keine, wird sie dir viele tolle Streiche spielen.“

Gerade wollte ich dem Sonntag darauf hin etwas entgegnen, merkte ich, dass meine guten Freunde, die Wochentage, verschwunden waren. Der Winter, einer der Gr0ßonkel des heutigen Sonntags, strich mir noch einmal über’s Haar, wortlos verschwand er, zusammen mit den anderen.

Zurück blieb ich, allein gelassen mit einer alten, sehr gutmütigen Frau. Der Zeit. Und diese zwinkerte mir zu und gab mir zu verstehen: „Wenn du meinst, nichts mehr zu haben auf dieser Welt – Eines hast du immer: Zeit.“

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„Leopold!“ Ein scharfer Ruf reist mich aus meinen Träumen. „Leo, du wolltest doch eine Gute-Nacht-Geschichte schreiben.“

„Ja“, erwidere ich müde. „Ich fange gleich am Montag damit an.“ Sofort schlafe ich wieder ein. Und das solltest du jetzt auch tun. Wer weiß, vielleicht träumst du ja auch von den sieben Söhnen der Frau Woche?

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