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Die unerträgliche Schnelligkeit des Seins

Juni 26, 2009 von Peter Dessin Abgelegt in Gehört., Gelesen., Geschrieben., Getwittertes.

Um es vorweg zu nehmen: Ich liebe dieses Zeitalter, Web2.0 genannt, ich liebe diese Informationsflut, die auf mich herein strömt und die ich kaum zu verarbeiten imstande bin. Und, ja, ich gebe es zu: Ich bin verliebt in Twitter.

Twitter, dieses kleine Monster, das mich mit Begeisterung, manchmal mit Befremdung, zum Glück oft mit herzlichem Lachen erfüllt hat, das mich oft mit politischer Kontroverse zum Nachdenken und Nachfragen brachte, dieses Twitter-Monster zeigte mir heute nacht sein wahres Gesicht: Heinz.

Als um 2:26 p.m. L.A Time, also um 23:26 MESZ ein Heroe der internationalen Popkultur an Herzversagen verstarb, läuteten bei Twitter die Alarmglocken. Die Nachrichten, widersprüchlichster Art, überschlugen sich. Zweifelhafte Quellen wurden zitiert, wieder revidiert, andere Quellen genannt, die sich auf die ersten Quellen bezogen…. und ganz Twitterland bebte. Um 1.30 Uhr (unserer Zeit) ging nichts mehr. 12.640 Tweets in 20 sec., las ich später. Der FailWhale war nie öfter in internationalen Gewässern gesichtet worden.

War alles ein Spuk? Ein Fake? Zu dieser Zeit wusste es keiner der aktiven Twitteratis. Mithin konnte man eine gewisse Beunruhigung beobachten, ob sich nicht vielleicht die Geläufe der Geschichte als selbsterfüllende Prophezeiung entpuppen sollten:

Ich bin eine Vorahnung

(An dieser Stelle möchte ich etwas abkürzen. Zu viele Tweets, zu viele virtuelle Tränen müsste ich hier abbilden.)

Doch leider: Letztlich sollte sich die gute Mellcolm irren. Ja, es war passiert. Im Minuten-, was sage ich! Sekundentakt wurden Tausende mehr oder weniger Anteilnehmende geschüttelt und gerührt ob dieser unfassbaren Wahrheit: Jacksons Michael ist tot.

Und während ich diese Zeilen auf die Tastatur kliere, mag ich’s immer noch nicht fassen. Ich mag nicht fassen, dass ich es – dank (?) Twitter hautnah miterleben musste, wie ein König seiner Zunft zu Grabe getragen wurde, kaum dass sein Körper erkaltete. Ich mag nicht fassen, dass ein gebleichter King of Pop, der in den letzten zehn Jahren kaum mehr geleistet hatte, als für zweifelhafte Schlagzeilen zu sorgen, mehr Aufmerksamkeit bekommt als die am selben Tag gestorbene Farrah Fawcett, als der Abschied der wunderbaren Bascha Mika von der taz, als… [wahlweise selbst einzufügen]

Versteh‘ mich bitte nicht falsch, geneigter Leser. Auch ich bedauere den Tod Michael Jacksons. Aber dieser Tod sollte uns nicht drei (in Worten: 3!) Stunden davon abhalten, uns über die anderen wichtigen Dinge zu informieren. Über die, die die anderen 6 Milliarden Lebenden betreffen, zum Beispiel.

Und letztlich: Es waren ausnehmend schnelle, zu schnelle drei Stunden. Es war die unerträgliche Seichtigkeit des Heinz.

PS:
Hier noch ein Link zum wahrscheinlich schnellsten Blogpost zum Thema: [hier klicken] von Tristesse deluxe.

PPS:
Michael Jackson wäre am 29. August 51 Jahre alt geworden.

M.j. *29.08.1958 – †26.06.2009

Michael *29.08.1958 – †25.06.2009

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