spree:geflüster

Gesehen. Gehört. Gelesen. Gefunden. Geschrieben.
Subscribe

Du hast keine Wahl

September 03, 2009 von Bunki Abgelegt in Gefunden., Gesehen.

Es herbstet. Aber so was von. Nun gut, Mutter Natur in Gänze hat das noch nicht so ganz mitbekommen, wenn man die Temperaturen der letzten Tage so betrachtet. Erst heute gab sie sich einen regennassen Stoß. Aber die wahren Zeichen der Zeit sind seit Wochen schon unübersehbar. Bunt sind schon die Schilderwälder. Allerorten springt es dich an. Es ist Herbst. Und der Wahlkampf beginnt (tobt/läuft/langweilt/weitere Beschreibungen ihrer Wahl)

Keine Allee ist vor ihnen sicher. Keine Straße gefeit. Kein Strauch zu hoch, kein Baum zu dicht. In schrillen Farben und markigen Botschaften traktieren sie unser Hirn. Wenn sie plakatieren Seit an Seit.

Und wie immer kommt es dann zu den üblichen Verunzierungen zahlreicher Werbebotschaften. Ich will mich auch gar nicht groß über den Sinn und Unsinn verschiedener Gesichtsinterpretationen beim zum wählenden Volk aufhalten.  Meist langweilen sie nur. Oder über die Sinnhaftigkeit der Farbbeutelwürfe nachdenken, was schlicht an das Reviermarkierungsverhalten junger Welpen erinnert. Und doch fiel mir etwas dabei ins Auge:

Wahlplakate 004

Wahlboykott. Schreiend rot. Geht nicht zu den Urnen, tönen sie in die Welt hinaus. Und, man glaubt es kaum, sie scheinen damit nicht allein. Doch, doch.

Lobo1Doch anders als bei unserem Vorzeige-Twitteraner, für den neuerdings sogar Vodafone munter Werbung macht, scheinen es die Wahlplakatbeschmierer mit ihrem Aufruf durchaus ernst zu meinen. Was völlig Unsinn ist. Cui bono, möchte man ihnen entgegen rufen. So sie denn überhaupt an einem Dialog und nicht an einer Selbstdarstellungsform interessiert sind. Wem soll das nützen, wenn man am 27. September nicht zur Wahl geht?

Was geschähe denn wirklich, wenn alle Welt dem Aufruf Folge leisten würde? Glaubt ihr, die Wahl wäre ungültig, weil sie an der 5%-Hürde scheitert? Oder dass die so gar wenig Gekürten es sich zu Herzen nehmen würden?

Das Gegenteil steht zu befürchten. Wer miterlebt hat, wie  nach dem Super Sunday in Sachsen, Sachsens Anhalt und dem Lande Saar überall nur Sieger zu geben schien, muss sich darauf einstellen, dass die windige findige Politik ein solches öffentliches Desaster auch in einen Erfolg umzumünzen wüsste. Munter würden die Pfründe und Mandate unter sich verteilt, auch wenn nur 4,9% der Bevölkerung ihr Kreuz gemacht hätte.

Sie würden so ein Ergebnis als klaren Sieg der Demokratie deuten. Dass sich nämlich auch Minderheiten politisch durchsetzen können, so sie den nur engagiert genug sind …

Kommentieren