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Sonderzug ins Kanzleramt

August 10, 2009 von Bunki Abgelegt in Geschrieben., Gesehen.

Ganze 1470 Meter ist sie lang. Und man braucht nur 2:29 Minuten. Handgestoppt. Mehr nicht. Die neue U-Bahn-Linie U55 , im Volksmund gerne auch Kanzlerbahn  geheißen. Obwohl sie derzeit politisch treffender Kanzlerin-Linie heißen müsste. Und um allen künftigen Ereignissen, politischen Entscheidungen, Wahlen oder sonstigen sexuellen Diskriminierungen entsprechend vorzubeugen, sprechen wir künftig als lieber gleich von KanzlerInnen-Linie.

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Kaum 66 Jahre nach den ersten Planungsarbeiten wurde sie nun endlich fertig gestellt. Da sage man noch, hier in Deutschland würde nicht effizient und tatkräftig gearbeitet. Feierlich eröffnet wurde sie am vergangenen Freitag natürlich vom Regierenden. Bürgermeister Klaus Wowereit. Ein Schelm, der dahinter symbolisches vermutet. Denn dem Hoffnungsträger des linken Flügels werden ja nicht umsonst Schröder’sche Ambitionen („Ich will hier rein“) nachgesagt. Doch noch es ist ein weiter Weg vom Roten Rathaus bis zu Angela Merkels derzeitigem Hauptwohnsitz. Was allein schon den fehlenden Bahnhöfen vom Alexanderplatz bis hin zum Brandenburger Tor – zuvor als S-Bahnstation „Unter den Linden“ bekannt – geschuldet ist.

Entgegenstehen könnte der Verwirklichung seines endgültigen „Coming raus“ aus dem Roten zwei Dinge. Zum einen das an alte FDP-Pläne angelehnte sozialdemokratische Projekt18. Und dann gibt es da allerdings eine weitere kleine Unart der Sozen. Die wollten in ihrer jüngeren Vergangenheit partout  nicht von ihrer fatalen Neigung lassen, gescheiterte Kanzlerkandiaten flugs zu entsorgen, sie an nachrangigie Institutionen wie  den Bund deutscher Radfahrer oder das Bundespräsidialamt wegzuloben, und es bei nächstbester Gelegenheit mit einem neueren Modell zu versuchen.

Ergo müsste Uns Wowi dafür sorgen tragen, dass er nach der  nächsten zu erwartenden Bundestagswahl im Jahre 2013 nebst einhergehender Schlappe auf noch als kanzlerabel für die weiteren Jahre gilt. Was nebenbei gesagt auch den anderen Roten genug Zeit gibt, endgültig im bundesrepublikanischen anzukommen, sprich auch für nicht regional festgelegte Bevölkerungsschichten wählbar zu werden.

Und so denn dem Wowi seine SPD wie auch jetzt noch die 5%-Prozenthürde sicher meistern wird, eröffnet sich dann der bequehmen Weg, Frank W. Steinmeier als Herausforderer der Kanzlerin zu beerben. Er könnte dann 2017 nicht nur werbewirksam bei der Eröffnung der Linie in die Kameras grinsen, sondern sie kostengünstig für den Umzug ins neue Büro nutzen. Und das wär‘ auch gut so.

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