spree:geflüster

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Februarsonett

Februar 29, 2016 von Peter Dessin abgelegt in: Geschrieben., GLitterarisches.

Wohin? fragst du, wenn alle Brücken brechen

Wenn du zerreißt, wenn Worte uns durchstechen

Wenn deine Augen meinen Blick verbrennen

Wenn wir uns auf der Straße nicht erkennen

 

Wenn Finger sich wie Rohre auf uns richten

Wenn Mündungsfeuer in den Fenstern blitzen

Und wieder wir auf Zärtlichkeit verzichten

Weil Bajonette uns die Haut aufritzen

 

Wenn sich am Himmel AscheWolken ballen

Wenn deine Lippen sich in meine krallen

Wenn unsre Körper aneinander kleben

Wenn wir nicht sterben und nicht leben

 

Wohin? fragst du, ich schreie stumm. Wir weinen

Bis in den Morgen. Alle oder keinen

Zwei Seelen

November 26, 2013 von Gastautor abgelegt in: Geschrieben., GLitterarisches.

Unser heutiger Gastautor Sven Brunner musste sich etwas von der Seele schreiben. Von zwei Seelen, um genauer zu sein:

 

Zwei Seelen, zu verschieden, um sich zu treffen,
ziehen ihre Bahnen,
auf der Suche nach Geborgenheit,
auf der Suche nach dem Sinn

Zwei Seelen, zu verschieden, um sich zu treffen,
die eine schwarz, die andere weiß,
unterbrechen manchmal ihre Bahnen,
fühlen sich manchmal gleich,
um sich zu entfernen in die Ewigkeit

Zwei Seelen, zu verschieden, um sich zu treffen,
kommen auch zurück,
kreuzen ihre Bahnen,
was nicht immer Gutes heißt,
da die Nähe Wunden reißt

Zwei Seelen, auf dem Weg, um sich zu treffen
Zwei Seelen, auf dem Weg, um sich zu fressen.
auf der Suche nach dem Grau,
auf der Suche nach sich selbst

Maskenball

Oktober 31, 2011 von Peter Dessin abgelegt in: Geschrieben., GLitterarisches.

Die Frauen ihrer Männer sterben aus

Ein bunter Regen biegt sich übers Meer

Wie eine Brücke. geht von Haus zu Haus

Die Kinder haben keine Eltern mehr

 

Und schwarze Männer fliegen auf den Mond

Der Fluss nimmt seine Arme aus dem Bett

Und taut die Wüsten auf. die er bewohnt

Die Sonne hockt im Zelt und lächelt nett

 

Und murmelt matt: ich mach doch alle gleich

Im Abendlicht. Die weißen Nebel glühn

Die weisen Steine werden leicht und weich

Und fangen („Träumen müssen!“) an zu blühn

 

Die Masken fallen. keine. die dir glich

Wenn ich dich doch nur sehen könnte. dich

 

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Es war nicht alles schlecht (1980)

Mai 26, 2010 von Peter Dessin abgelegt in: Gefunden., GLitterarisches.

Man mag es kaum glauben, aber es gab in der DDR doch Dinge, die es gab. Jahreszeiten zum Beispiel. Wir hatten damals vier verschiedene, und die Älteren unter uns können sich vielleicht noch daran erinnern.

Eine dieser Jahreszeiten nannte sich “Frühling” und war ungefähr zwischen einem knackigen Winter und einem schönen, sonnigen Sommer angesiedelt. Ein (mir) unbekannter Verfasser beschrieb das in folgendem kleinen Gedicht.

(Leider konnte dieser dreiste Dissident sich nicht zurückhalten, auch in solch schönen Momente von Fehlendem zu träumen. Aber er sollte ja Recht behalten.)

 

Früh links Erwachen

 

Der Herbst ist da! Nach Liebe lechzen

alle Mädchen über sechzehn.

Die Rehe treten alle aus

dem Wald, und keiner bleibt zu Haus’.

 

Die Bienen kommen alle nieder,

die Gammler waschen sich mal wieder,

der Saft, der steigt bei jungen und bei alten

Bäumen (Komma) der Fortschritt ist nicht aufzuhalten.

 

Wir haben EDV und Müllcontainer, das ist fein.

Wir haben die Pille und der Storch beißt jetzt umsonst ins Bein.

Wir haben sogar Farbfernsehn mit PAL.

Und bald gibt es auch Fliesen und ein kleines bisschen Aal.

Wider den tierischen Ernst.

Oktober 18, 2009 von Gastautor abgelegt in: Geschrieben., GLitterarisches.

Ihr werdet es nicht glauben! Naja, doch, werdet Ihr, gleich.
Die hochgeschätzte Frau Gräfin Alexandra hat gereimt und genehmigt, dieses literarische Kleinod hier zum Besten zu geben. Und so übergeben wir den Reim an @silenttiffy:

 

Klein Wombat verschluckte ein Tütü,
ist das nicht grenzdebil?
Debiler noch als Bullerbü
und Vororte von Kiel.

Senf macht Ponies schwerlich satt,
die Wurst muss schon dabei.
Sonst liegt die Mähne unschön platt,
beleidigt nur Karl May.

Dem Biber sein Kopiergeschäft
ist mächtig am florieren dranne,
doch der Erfolg steigt ihm zu Kopf,
und er verblutet in der Wanne.

Es greint und lamentiert der Barsch:
"Ich hab so einen fetten Arsch!"
Meint darauf Omas Apfelplunder:
"Meiner ist platt wie eine Flunder."

Ein Euter hat im Grunde zwei,
vielleicht auch drei, vier Pimmel.
So hieß es schon bei Sokrates,
schrieb Soziologe Simmel.

Der Igel hat es ziemlich schwer
in zärtlichem Geschlechtsverkehr.
Als Fetisch dient ihm’s Stachelkleid,
die Lust erlebt er nur im Leid.

Der Uhu friert ohne Pullover,
das Ärschlein fällt ihm gleich vom Leib.
Now it’s with poetry slow over,
welch hirnrissiger Zeitvertreib!

Der Hirsch hat jetzt ein Arschgeweih,
der Specht erblasst vor Neid.
Sein Iro ist so 2003,
ach, was vergeht die Zeit!



Danke, Silenttiffy!

“Die Kuh macht muh, der Ochse auch,
sind schwer zu unterscheiden.
Erst wenn man melken will,
merkt man den Unterschied der beiden.”
(Heinz Erhardt)